Aus der Amazon.de-Redaktion
Zwar nicht ganz so versessen wie Memento oder Irreversibel, versucht auch Die Regeln des Spiels ein paar Tricks mit der Chronologie seiner Erzählung: Den Anfang bildet eine "Ende der Welt"-Party, auf der sich die drei Hauptcharaktere an ihrem jeweiligen Tiefpunkt befinden, dann geht es zurück in die Vergangenheit für die Vorgeschichte, und von dort aus ständig vor und zurück, während verschiedene Erzähler die Führung übernehmen. Eine Pause bieten lediglich eine Zeitraffer-Tour durch Europa und eine Drogendeal-Nebenhandlung, mit der Avary offensichtlich seinen Krimi-Wurzeln treu zu bleiben versucht. Alles in allem entsteht so ein realitätsfremdes Stück Satire, immer eindrucksvoll, manchmal witzig oder erschreckend, dem schlussendlich jedoch die Verbindung zum Publikum schwer fällt. --Kim Newman
Kurzbeschreibung
Movieman.de
Moviemans Kommentar zur DVD: Trotz des etwas flügellahmen Tones und wegen der großzügigen Extras-Ausstattung ein knappes Gesamt-Gut. Der Audiokommentar ist nicht sonderlich interessant. Warum müssen alle am Film Beteiligten immer stundenlang über die Locationsuche reden?"Die Regeln..." ist nicht sonderlich geschmackssicher und auch nicht realistisch. Er zeigt ein unverklemmtes Amerika, wie es gern sein möchte. Der Traum europäischer Freizügigkeit aus dem Puritaner-Staat. Aber der Film ist witzig und er ist rasant. Es gibt keine Längen, herzlich engagierte Darsteller und köstlich-schmutzige Situationskomik.Sehenswert.
Bild: Trotz kleinerer Artefakt-Ausfälle bis hin zu sanfter Klötzchen-Bildung auf Hintergründen (00.06.50) ein noch gutes Gesamtergebnis. Die Schärfe ist von guter Konturierung und differziert Flächen sauber. Das Rauschen hält sich in Grenzen und tritt nur in Momenten dunklerer Ausleuchtung etwas intensiver in Erscheinung. Bei sehr gut tariertem Kontrast wirkt das Bild plastisch und entwickelt ordentlich optische Tiefe.
Ton: Der 5.1-Sound ist vergleichsweise etwas müde. Es gibt nur wenige Momente, die wirklich vital und frisch wirken. Das Klangbild bleibt etwas zu zurückhaltend und weist in den hinteren Kanälen ein Manko auf, das sich in deren zu seltener und zu wenig intensiver Belegung und in einem leichen Bassüberhang zeigt. Die Songs sind sauber neben die Dialoge gemischt (00.38.44), aber Effekte sind selten. --movieman.de
VideoMarkt
Video.de
Blickpunkt: Film
Dank seiner spitzen Feder zählt Ellis seit den achtziger Jahren zu den kompromisslosesten und provozierendsten Chronisten aktueller gesellschaftlicher Zustände. Seine Bestseller halten den immer gleichen reichen und gelangweilten Charakteren die Treue: So machen wir in der aktuellen Verfilmung mit Sean Bekanntschaft, dem kleinen Bruder des monströsen 'American Psycho' Patrick Bateman, dem Mary Harron 2000 mit Christian Bale in der Hauptrolle ein Denkmal setzte. Und in Avarys bereits geplanter Adaption von Ellis' bislang letztem Roman 'Glamorama' wird Seans Freund Victor - hier noch in einer Nebenrolle - das Wort ergreifen.
Sowohl Victor (Kip Pardue) als auch Sean (James Van der Beek) gehören zur Generation äußerst überprivilegierter Studenten am äußerst renommierten Camden College in New England, wo Drogen und Sex billiger als umsonst oder auch für 'Less Than Zero' zu haben sind und lediglich der Kompensation einer immensen emotionalen Leere dienen. Für den oberflächlichen, gewissenlosen Sean besteht das so von allen moralischen und sexuellen Regeln befreite Studentendasein aus nichts als Ficks und Manipulation; dem schwulen, hochintelligenten Zyniker Paul (Ian Somerhalder) liefert das ewige Verliebtsein in den Falschen derweil den alltäglichen Kick, und die zerbrechliche, jungfräuliche Lauren (Shannyn Sossamon), die eigentlich auf den Richtigen wartet, schliddert auf ihrem Skateboard mit Vorliebe an den Abgrund von Camdens sozialem Universum, das seinen Namen kaum verdient. Aus dem Zusammenprall der Drei ergeben sich wunderbare Möglichkeiten für sexuelle Misskommunikation, weiteren Drogenkonsum und ein Gefühlschaos von noch erheblicherem Ausmaß. Hinzu kommen unter anderem: pillenpoppende Mamas (Faye Dunaway und Swoosie Kurtz), eine nymphomane Mitbewohnerin (Jessica Biel), diverse ungehaltene Drogendealer und eine verschmähte Geliebte mit Selbstmörderinnen-Potential (Kate Bosworth), für die sich der Reigen von der 'End of the World Party' über die 'Pre-Saturday Night Party' bis zur 'Dress to Get Screwed Party' und wieder zurück dreht.
Hierhin wie dorthin spult Avary das gefilmte Material, lässt das sinnentleerte, exzessive Campus-Leben auf der Stelle treten und seinen innovativen Ideen freien Lauf. Bei der ersten zufälligen Begegnung von Sean und Lauren wird die Leinwand gesplittet, in einer anderen nicht weniger charmanten Sequenz trifft ein digitales Videotagebuch von Victors Europa-Reise als Collage aus lautem Sound, Bild und Kommentar ziemlich genau Ellis' zugedröhnten Tonfall. Auf der inhaltlichen Ebene verzichtet Avary auf einige Subplots und Subtexte der Vorlage: Die wesentliche und von Ellis wunderbar zweideutig angelegten Liaisons Dangereuses zwischen Sean, Patrick und Lauren verschenkt das Drehbuch zu Gunsten vorbeiziehender Flirts und eines bedauerlich konservativen/heterosexuellen Interesses. Seinen bestechenden Reiz und seine Ironie gewinnt der Film eher mit der Attraktivität seiner Darsteller, die ein Klassentreffen von 'Jugendikonen' der achtziger Jahre (Eric Stoltz als kiffender Tutor) und TV-Serien wie 'Dawson's Creek' (Van Der Beek), 'Wunderbare Jahre' (Fred Savage mit einem kultverdächtigen Kurzauftritt als weggetretener Junkie) oder 'Eine himmlische Familie' (Jessica Biel) feiern. Alle Gäste dieser Party sehen in erster Linie beeindruckend gut und gelangweilt aus und befolgen damit sicher die wichtigste Regel in Ellis' attraktivem Universum, das eine darüber hinausgehende Personalisierung verbietet. Vielleicht lässt der Film letzten Endes aber gerade deshalb den Zuschauer trotz Tempo, Raffinesse und einem fabelhaften Soundtrack so kalt, wie alles andere als das eigene Ego die unberührbaren Brüder Bateman.cm.