Um es vorweg zu schicken: als ich das Buch zum ersten (und auch zum zweiten) Mal las, war ich fasziniert. Unglaublich, wie Heymann und Augspurg als junge Frauen - ohne jedes Vorbild - aus den Zwängen der Konventionen befreiten, unglaublich, was sie in der Folge leisteten.
Das einzige, was mir negativ auffiel, war, dass mit den Autorinnen immer wieder die Bewunderung durchgeht (was bei einer Biographie einfach stört), und dass gelegentlich die Annahme hervorschimmert, die Leserin habe die Frauenbewegung der Achtzigerjahre miterlebt. Manche von uns waren da noch im Kindergarten...
Das ist aber alles noch hinzunehmen. Mehr enttäuscht hat mich, was mir bei der Lektüre von Lida Gustava Heymanns Memoiren, 'Erlebtes, Erschautes' auffiel. "Das hast du doch schon mal gelesen?" In der Tat. Die Kapitel zur Biografie Augspurgs und Heymanns lesen sich streckenweise wie eine schulmäßige Zusammenfassung derselben Kapitel Heymanns. Die gleichen Anekdoten in der gleichen Reihenfolge, bis hin zum gleichen Vokabular - mit nur einer Handvoll Zitaten, die auch als solche gekennzeichnet sind.
Sicher, authentisches biografisches Material zu Heymann und Augspurg mag rar sein. Aber muss es gleich eine solche Quellentreue sein?