Trudi Canavan legt mit dem ersten Teil der "Gilde der schwarzen Magier" einen äußerst vielversprechenden und neugierig machenden Roman vor. "Die Rebellin" ist der Auftakt zu einer Trilogie, die von der kleinen Sonea handelt, die einst Mitglied einer Jugendbande war und durch Zufall in einen Kampf zwischen Hüttenbewohnern und der Gilde der Magier gerät. Sonea wirft voller Wut einen Stein in Richtung der Magier, die eigentlich durch einen magischen Schild geschützt sind, doch Soneas Stein kann diesen Schutzschild passieren und schlägt einen der Magier bewusstlos. Die Gilde ist sofort in Aufruhr, denn noch nie konnte sich die Magie eines Kindes ganz von alleine entwickeln. Nur Lord Rothen konnte die Werferin beobachten und identifieren.
Die Jagd auf Sonea beginnt, denn die Magier wissen, dass die jugendliche Sonea nach einer gewissen Zeit ihre Magie nicht mehr alleine kontrollieren kann. Sonea bekommt Hilfe von ihren Bandenfreunden, die sie in den Tunneln der Stadt verstecken wollen. Doch die Magier können spüren, wenn Sonea Magie bewirkt und rücken ihr immer näher auf die Fersen. Auch die Diebe schalten sich ein, um Sonea zu verstecken, doch es kommt, wie es kommen muss: Kurz bevor Sonea völlig die Kontrolle über ihre Magie verliert, wird sie verraten, sodass die Magier sie schnappen können. Doch diese wollen sie gar nicht töten, sondern ihr dabei helfen, ihre Magie zu kontrollieren und ihr anzubieten, der verhassten Gilde beizutreten. Allerdings spielen nicht alle Magier mit offenen Karten...
"Die Rebellin" ist der temporeiche Einstieg in Canavans Trilogie, die mit "Die Novizin" und "Die Meisterin" ihre Fortsetzung nimmt. Zwar verraten die beiden Folgetitel bereits, welchen Weg Sonea einschlagen wird, doch sind auf diesem Weg so viele Abenteuer zu überstehen und Intrigen aufzudecken, dass "Die Rebellin" auf keiner Seite langweilig wird. Insbesondere am Ende erwartet uns ein sagenhafter Cliffhanger, der mit Sicherheit sofort dafür sorgen wird, dass man auch zum zweiten Teil der Reihe greifen wird.
Canavan bedient sich genretypischer Elemente, um ihren Fantasyroman damit auszuschmücken. Ihre Magier verfügen über geheimnisvolle Zauberkräfte, die allerdings nicht nur Gutes bewirken können. Auch verschaffen die Magier sich nicht nur Freunde mit ihren magischen Kräften, denn die verarmten Hüttenbewohner hegen einen tiefen Hass gegen die Magier, die über Zauberkräfte verfügen, aber den Hüttenbewohnern dennoch nicht helfen. Dies ist auch der Zwiespalt, in den hinein Sonea gerät, denn eigentlich würde sie gerne Novizin werden, doch andererseits möchte sie ihre Freunde und Bekannten nicht vor den Kopf stoßen, indem sie sich den verhassten Magiern anschließt.
Bei Canavan ist es nicht so sehr der Kampf gegen "Gut" und "Böse", der im Zentrum der Handlung steht, da die Figuren nicht schwarz-weiß gezeichnet sind. Auch zwischen den Magiern finden sich schwarze Schafe, die ihre Gilde in Verruf bringen und nicht immer Gutes im Sinn haben, aber auch zwischen den Hüttenbewohnern sammeln sich Diebe und andere dubiose Gestalten, die sicherlich auch nicht einfach zu den "Guten" gezählt werden können. Die Grenzen verwaschen hier, im Mittelpunkt steht vielmehr Soneas Kampf gegen ihre eigene Überzeugung und die Überlegung, wie sie mit ihrer Magie am besten Gutes bewirken kann.
Die handelnden Figuren wirken lebensecht und werden uns ausführlich vorgestellt, sodass man beim Lesen schnell neue Freunde findet, mit denen man mitfiebern kann.
Insgesamt ist der Einstieg in die Trilogie bereits sehr gut gelungen und macht Hoffnung auf einen noch rasanteren und interessanteren zweiten Teil, den ich mit Sicherheit schnellstmöglich anfangen werden. Daher ganz klar: 5 Sterne für diesen spannenden und interessanten Fantasy-Roman!