Aus der Amazon.de-Redaktion
Als Angie, Jada und Michelle, drei aufrichtig liebende und treue Ehegattinnen, zur gleichen Zeit entdecken müssen, daß ihre Männer nicht hundsgemein sind, sondern noch tausendmal schlimmer und mit der Rasse dieser anhänglichen Vierbeiner eigentlich so gut wie gar nichts gemein haben, rappeln sie sich nach den ersten K.o.-Schlägen wieder hoch, schließen sich zusammen und schmieden eine Reihe wirksamer Waffen, mit denen sie treffsicher zurückschlagen und sich am Ende glorreich behaupten.
Angie darf sich am ersten Hochzeitstag von Reid anhören, daß sie im zurückliegenden Ehejahr nicht die einzige war. Jada hat Clinton zu gehorchen, auch wenn er schon lange kein Geld mehr mit nach Hause bringt und säuft. Michelle muß mit ansehen, wie ihr ganzes Haus bei einer Polizeirazzia verwüstet wird, während man ihren Mann Frank wegen illegaler Geschäfte abführt. Als Angie Reid nach neuen Versprechungen wieder beim Fremdgehen erwischt, Clinton verschwindet und die Kinder entführt und Frank handgreiflich wird, weil Michelle nicht für Frank vor Gericht aussagen will, ist das Maß bei allen dreien voll. Der Hexenkessel in der Teufelsküche kocht über, ohnmächtige Wut steigt auf und die Rache der drei Göttinnen wird süß sein, sehr süß. --Daphne von Unruh -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Kurzbeschreibung
Autorenportrait
Auszug aus Die Rachegöttinnen von Olivia Goldsmith. Copyright © 2000. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Für eine Frau gehören zur Ehe drei Ringe. Zuerst der Verlobungsring, dann der Ehering und schließlich der Ring durch die Nase. (Nan Delano)
- 1. Kapitel - in dem wir - bei der Feier ihres ersten Hochzeitstages - eine Frau mit dem unglaublichen Namen Angela Rachel Goldfarb Romazzano Wakefield kennenlernen und auch vom seltsamen Ausgang dieser Feier erfahren
Angela Wakefield war zu früh gekommen: zum einen, weil sie eine zwanghaft pünktliche Person war - das hatte sie während ihres Jurastudiums gelernt -, zum anderen aber auch, weil sie die Augenblicke vor Beginn ihrer kleinen Party genießen wollte. Und so saß sie da, die Beine sittsam in Knöchelhöhe gekreuzt, ihre Handtasche auf dem dritten Stuhl abgelegt, und starrte aus dem Fenster auf das Wasser. Sie hatte sich nie vorgestellt, daß sie einmal in Marblehead, Massachusetts, leben würde, aber es war schön. Selbst jetzt, mitten im Herbst, glitten Segelboote durch den Hafen, Fischerboote kehrten heim, und in der Ferne wurde in den Häusern Licht gemacht, als der Sonnenuntergang der Dämmerung wich.
Reid hatte das Clubrestaurant gewählt, und die perfekte Ausstattung war typisch für ihn. Die weißen Tischtücher schimmerten im schwindenden Licht, Gläser und Silber funkelten. Die gestärkten Stoffservietten waren zu einem komplizierten Muster gefaltet, ähnlich wie die Helme aus Zeitungspapier, die sie und ihr Bruder sich gemacht hatten, wenn sie Soldaten spielten - allerdings waren die Servietten sehr viel hübscher. Angie, die aus New York stammte und halb Kubanerin und halb Jüdin war, sah nie so ordentlich und wohlgebügelt aus wie diese Servietten. Ihr blondiertes Haar war kurz, aber nicht wirklich gut gestylt, und ihre Kleider wirkten immer ein bißchen zerknittert oder verloren gerade einen Knopf. Sie nahm an, daß das einen Teil ihres Charmes ausmachte. Warum sonst hätte Reid sie geheiratet?
Angie sah sich im Speisesaal des Clubs um. Sie war erfahren genug, um von dem Essen in derartigen Lokalen nicht allzuviel zu erwarten. Wenn man wirklich gut essen wollte, mußte man in einen Delikatessenladen in Brooklyn oder in ein Restaurant im Süden Bostons gehen. Das Brot würde ordentlich und das Fleisch hervorragend sein, der Rest allerdings - wie ihre Mutter sich auszudrücken beliebte - Mist. Aber die Martinis waren trocken und der Service tadellos, und binnen kurzem (da er gewohnheitsmäßig zu spät kam) würde Reid Wakefield III., heute seit einem Jahr ihr Ehemann, ihr gegenübersitzen, das goldene Haar und die blauen Augen betont durch das goldene Licht und das blaue Meer jenseits des Fensters.
Der Kellner kam und erkundigte sich ehrerbietig, ob sie etwas trinken wolle. Sie mochte nicht ohne Reid anfangen, und daher entschuldigte sie sich und sagte, wenn es nichts ausmache, wolle sie warten. »Er müßte jede Minute hier sein«, fügte sie mit einem Blick auf ihre Uhr hinzu. Reid hatte bereits zwanzig Minuten Verspätung, aber daran war sie gewöhnt. Er kam chronisch zu spät, da er sich immer zuviel vornahm und dann in dem, was er gerade tat, so aufging, daß er völlig vergaß, was als nächstes auf dem Programm stand. Nein, eigentlich vergaß er es nicht, er jonglierte bloß ein bißchen damit, und wegen seines Charmes und seiner totalen Anteilnahme an der Person, mit der er gerade zusammen war, nahm ihm das keiner übel.
Angie nutzte die Zeit, um ihr Schminktäschchen herauszunehmen und ihr Make-up zu überprüfen. Sie hatte ein hübsches Gesicht - oval, mit runden Augen, gerundeter Stupsnase und einem großzügigen Mund. Nun ja, um ehrlich zu sein - einem in jeder Hinsicht großen Mund, der jetzt mehr Lippenstift brauchte. Warum verschwand das Rot eigentlich dauernd von ihren Lippen, aber nicht von den Zähnen? Und kämmen mußte sie sich auch, obwohl sie wußte, daß sie das nicht am Tisch tun sollte. Sie zuckte mit den Schultern. Was hatte es auch für einen Sinn? Ihr Haar machte sowieso, was es wollte. Reid dagegen sah immer perfekt frisiert aus, sogar wenn er aus dem Pool oder vom Tennisplatz kam.
Angie seufzte, aber sie war alles andere als unglücklich. Sie war nun mal, wie sie war, und Reid hatte sie gewählt und nicht eins von diesen naturblonden, anämischen Mädchen, die auf den Werbeplakaten für Miss Porters Schule abgebildet waren. Die hießen alle Elizabeth oder Emily oder Sloane, keine einzige trug einen so lächerlichen Namen wie Angela Rachel Goldfarb Romazzano; aber trotz ihrer dezenten, knitterfreien Kleider und ihrer ungefärbten Haare hatte keine von ihnen so einen Prinzen an Land gezogen wie sie. Tja, das sollten ihr diese perfekten Schönheiten erst mal nachmachen!
Angie war stolz auf ihr Erbe. Die Familie ihres Vaters war aus Deutschland - daher stammten vermutlich ihre blauen Augen - nach Kuba geflüchtet und dann kurz vor Castros Machtergreifung nach Amerika gegangen. Ihre Mutter stammte von russischen Juden ab - hatte sie daher das helle Haar, dessen Farbe sie etwas nachhalf? Wie auch immer, verglichen mit Reids Familie, waren sie alle ziemlich neue Einwanderer. Die Wakefields waren gleich nach der Mayflower nach Amerika gekommen. Wenn sie darüber nachdachte, war Angie nicht recht klar, worauf sie eigentlich so stolz waren - sie hatten ihr Land von den eingeborenen Amerikanern gestohlen. Aber sie hatten es früh gestohlen und besaßen in und um Marblehead noch immer reichlich davon.
Angela steckte ihren Lippenstift weg und nahm das eingewickelte Geschenk heraus, das sie für ihren Mann mitgebracht hatte. Es war ihr erster Hochzeitstag, und sie hatte sich das Gehirn zermartert, um mit dem richtigen Geschenk aufzukreuzen. Da war es: eine signierte Erstausgabe von Clarence Darrows Biographie. Reid - frischgebackener Anwalt bei Andover Putnam, der ältesten von Bostons alteingesessenen Anwaltskanzleien - verehrte Darrow. Angie tätschelte das Päckchen und grinste. Er würde begeistert sein.
Allerdings gestattete sie sich nicht, von seinem Geschenk für sie selbst allzuviel zu erwarten. Männer waren einfach nicht so gut, was Geschenke oder Romantik betraf. Besonders weiße angelsächsische Protestanten mit altem Geld. Zu ihrem ersten Weihnachtsfest als Eheleute hatte Reid ihr ein Paar Skihandschuhe geschenkt (obwohl sie überhaupt nicht Ski lief). Als sie ihm dann vorgeschlagen hatte, für ein Wochenende wegzufahren, hatte er nach Springfield gewollt, um die Basketball-Ruhmeshalle zu besichtigen. Tja. Und es kam noch schlimmer. Zum Geburtstag hatte er ihr eine elektrische Kaffeemühle geschenkt. Sie schüttelte den Kopf, als sie sich an ihre Tränenflut erinnerte, nachdem sie den kunstvoll verpackten Karton geöffnet hatte, und daran, wie verwirrt und verletzt Reid gewesen war. »Magst du denn keinen frisch gemahlenen Kaffee? « hatte er gefragt und war schockiert gewesen, als sie ihm das Ding daraufhin an den Kopf geworfen hatte. Sie hatten einen furchtbaren Streit gehabt. Später hatte sie ihre Mutter angerufen, und die hatte gesagt. »Eine Kaffeemühle? Von >BraunBraun< aus?« fragte er. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.