Ja Sat1, richtig gehört!
Gebt mir meine drei Stunden zurück!
Gestern Abend, saßen meine Freundin und ich auf der Couch und waren ungefähr 20mal kurz davor, von der "Wanderhure" auf "Daniela Katzenbergers Geburtstagsfeier" umzuschalten. Leider haben wir drei Stunden vergeblich darauf gehofft, dass dieses "Machwerk" noch besser werden würde.
Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.
Leider war sie hier vergebens.
Warum?
Inhalt:
10 Jahre nachdem Marie als Wanderhure durchs Dorf getrieben und dann trotz aller Höhen und Tiefen ihren Michel bekommen hat, steht nun Krieg vor der Tür.
Der "böse Inquisitor" plant Michel zu ermorden und sich Marie zu krallen.
Sie glaubt nicht, dass ihr Mann tot ist und macht sich auf die Suche nach ihm.
An sich nicht so übel.
Aber diese Umsetzung.
(Ab hier folgen ein paar Spoiler, wer den Film wirklich noch sehen will, ab hier ist Schluss für euch!)
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Sat1 hat ja ein anderes Drehbuch schreiben lassen. Mit "der Kastellanin" hat das (nach Angaben von Leuten die das Buch gelesen haben) nicht mehr viel zu tun.
Das größte Problem dieses Films (neben der unterirdischen Leistung tragender Hauptdarsteller) war für mich, dass er einfach zu viel wollte.
- die rebellische Nonne, die freidenkend für die Rechte der Frauen und die Freiheit des Glaubens kämpft
- der Mongolische Krieger
- der Zwergen-Gaukler
- die Hussiten
- Michels Lovestory mit der Gräfin
- Maries Suche
- Hubertus Rachefeldzug
DAS ALLES wollte man in drei Stunden quetschen. Herausgekommen ist ein totaler Murks. ALLES wurde mal kurz angekratzt. Nix weiter ausgeführt. An sich wäre jeder dieser Punkte oben schon genug für ein Sat1 Event-Movie.
So wirkten alle Teile ziemlich beliebig hintereinander gereiht.
Michel lernt innerhalb von 14 Tagen die asiatische Kampfkunst und steigt mir nichts dir nichts zum Hussitenschlächter auf!
Die heiße Nonne schleicht ab und an um den König herum. Schließt in seinem Namen Bündnisse und der König ist total okay damit.
(Urkundenfälschung? ACH WAS! Das passt schon!)
Der böse Inquisitor, reitet einfach mal so mordend und brandschatzend durchs Land. Überfällt Klöster, tötet Nonnen und keine Sau interessiert das groß (ist ja Mittelalter. Damit kann man ja neuerdings ALLES rechtfertigen).
Der böse "Cousin" des Königs, zieht sich mal einen Schal über die Hälfte des Gesichts, die Nonne sagt "unter den vermummten Gestalten die mein Kloster überfallen haben, glaube ich Euren Cousin erkannt zu haben". Seine Tarnung war echt Klasse, als würde sich ein Elefant im Kirschbaum verstecken und zur Tarnund die Fußnägel rot lackieren.
Nicht zu vergessen, Michel, der seinen Freund tötet, und als er sich daran erinnert, die emotionale Tiefe eines Backsteins hat.
Wo wir grade dabei sind:
Ein weiterer Kritikpunkt ist, die untragbar schlechte Leistung der Darsteller.
Allen voran Alexandra Neldel, als Marie (für mich war sie immer schon eine absolute Fehlbesetzung)
Am Anfang, als der Ritter ihr die Nachricht überbringt, ihr Mann sei gefallen TUT sie so, als würde sie weinen. Sie TUT so, aber niemand kauft ihr das ab. Sie presst ihren Kopf an die Schulter ihres Kindes und schluchzt, aber es fließen keine echten Tränen, keine Emotion kommt rüber.
Auch später gelingt es ihr nicht, irgendeine Szene so zu übermitteln, dass ich ihr das abkaufe. Weder die "starke Frau" vor dem König (ihre Sätze waren einfach nur zum fremdschämen) noch ihr "Zweikampf" mit dem Inquisitor.
Hinzu kommen viele Fehler.
z.B. als man sie bei der "Bettszene" mit Michel von hinten sieht, hat sie gar keine Striemen auf dem Rücken. Er ist glatt und sauber wie ein Babypopo. Später im Heerlager, haben sie ihr einen Striemen (der noch von der Peitsche in Teil 1 herrührt) geschminkt.
Der böse Inquisitor, der sich später als ihr Exverlober Hubertus herausstellt (wer hätte das gedacht) hat wohl zu viel Star Wars Episode I gesehen. Jedesmal wenn er mit seiner Sido-Gedächtnismaske einläuft, und seine coole, schwarze Kapuze nach hinten schiebt, musste ich unweigerlich an Darth Maul für Arme denken.
Als das Guerilla-Nonnen-Geschwader (optisch haben sie mich etwas an die Elben aus HdR 2 erinnert die zur Verteidigung von Helms Klamm einmarschiert sind) ihn mit Pfeilen "gekäseigelt" hat, bin ich vor Lachen fast von der Couch gefallen. (Liebes Sat1 Team 5 Pfeile weniger im Rücken hätten es auch getan)
Ich frage mich sowieso die ganze Zeit, wie es Hubertus geschafft hat seine öffentliche (!) Hinrichtung auf dem Scheiterhaufen (!) am Ende von Film eins zu überleben. Oo
Inkonsequent fand ich es von ihm, in der Szene in der er in den In-Fight mit Marie geht, zwar ihr Kleid zu zerreißen, dann aber taktisch so unklug, dass er noch nicht mal ihre Tittis sieht. Oder wollte Frau Neldel zwar eine Wanderhure spielen, aber ihre Brüste für sich behalten?
Was zum Teufel ein Mongole in dem Film zu suchen hatte, hab ich bis jetzt noch nicht verstanden.
Er hat Michel in die Kunst des asiatischen Kampfes eingeführt und Michel hatte dann so ein "back to the roots" Moment (Wald, oben ohne, Hirsch). Leider gelang es auch seiner Figur nicht irgendetwas an Tiefe zu entwickeln.
Alles geht zu schnell. Kaum ist er im Heerlager, wird er schon "beseitigt". Das größte Wunder daran ist aber nicht, dass er überlebt hat, nein, das größte Wunder war, dass er mit Kettenschultern in einen Fluss fällt und nicht zu Boden sinkt wie ein verdammter Stein, sondern abgetrieben wird. ;)
Und dann zack bum. Ist er plötzlich der Verlobte der Gräfin Oo und dabei hatte Marie gerade mal 10 Tage um ihn zu finden. WOW an sich eine verdammte Glanzleistung ALLER Beteiligter.
Abschließend bleib nur sich zu fragen, warum die ganze Chause eigentlich "Die Rache der Wanderhure" heißt. Marie hat ja mal fein GAR NIX gemacht. Sie ist von A nach B gestiefelt, hat ihren Mann zurückgeholt und Basta. Gerächt hat sie sich wirklich an keinem.
Ich hoffe, sollte Sat1 auch vorhaben den dritten Teil der "Hurensaga" zu verfilmen, dass sie einfach das Buch der Autorin so belassen wie es ist. Nicht irgendwas daran herumdoktern und so einen Murks machen.
Manchmal ist weniger einfach besser.
in diesem Sinne
Ophelia