Die Darstellung Sanos durch die Autorin entpricht tatsächlich nicht wirklich dem Bild eines Samurai der Tokugawa Ära. Die Erzählung ist weder historisch noch ethisch / kulturell zu 100% authentisch. Allerdings erhebt die Autorin keinen Anspruch darauf und aus diesem Grund darf dieser Aspekt nicht in die Bewertung eingehen.
Dieses Buch hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Insbesondere die Passagen in denen aus Sicht des Bundori-Mörders erzählt wird, sind geschickt in die Handlung eingeflochten und lassen den Leser von Beginn an nach dem Motiv forschen. Yanagisawa, Emporkömmling und Anatagonist, den Sano sich zum Feind macht zieht geschickt die Fäden, um Sano beim Bakufu in Ungnade fallen zu lassen und die Aufklärung der Morde zu verhindern.
Für einen Ermittler im Japan des 17. Jahrhunderts muß Sano ungewöhnliche Wege gehen und setzt sich mehrfach über ethische und moralische Grenzen hinweg, was ihn immer wieder in Gewisenskonflikte treibt,vor allem weil er seinem Vater vor dessen Tod ein Versprechen gegeben hat, dessen Erfüllung er immer wieder aufs Spiel setzen muß.
Die Liebe kommt natürlich auch nicht zu kurz. Die Figur der Aoi ist tragisch: Aus Liebe zu Sano setzt sie sich ebenfalls über ihre Pflichten hinweg und beschließt somit ihr Schicksal; zwiespältige Gefühle bei Protagonisten und Leser. Bei der Beschreibung des Sex und der Motivation dahinter hätte sich die Autorin für meinen Geschmack mehr an den Mainstream halten können, das hätte den Roman nicht weniger lesenswert gemacht.
Nächstes Wochenende werde ich mir den dritten Teil reinziehen...