Als 15jähriger muss Jakob Spengler vom Waldrand aus mitansehen, wie sein gesamtes Dorf von Söldnern ausgelöscht wird. Zu den Toten gehören auch seine Eltern und Geschwister. Fünf Jahre später kehrt er zurück und macht sich auf die Suche nach den Anführern, deren Gesichter und auffällige Körpermerkmale er sich damals eingeprägt hat. Nun will er wissen, was damals der Auftrag der Söldner war und wer ihn erteilt hat und er will Rache nehmen. Zudem scheint seine Familie Geheimnisse gehabt zu haben, denn Jakob kann sich erinnern, dass sie zuvor aus Koblenz in das Dorf fliehen mussten. Doch warum?
Lange Zeit ist auch dem Leser nicht klar, was das Geheimnis der Familie sein könnte, denn er erfährt nur Jakobs Sicht der Dinge. Doch gerade diese Perspektive macht die Geschichte so spannend. Das ein oder andere Mal mag sich der Leser entscheidende Fragen auch vor dem Protagonisten stellen, doch wird er durch die Ereignisse schnell wieder davon abgelenkt.
Auf seiner Suche nach den Verantwortlichen und der Rache, die zeitweise zum einzigen Inhalt seines Lebens wird, reist Jakob quer durch ein von Kriegen zerrüttetes Europa: die Bauernaufstände in Deutschland, das sacco in Rom, die Belagerung Wiens durch die Türken und zahlreiche Scharmützel zwischen deutschem Kaiser, französischem König und Papst. Dabei ergeht sich Haefs nie in unnötig bildhaften Schilderungen von Grausamkeiten, sondern stellt diese sachlich und prägnant dar, und beschreibt dadurch die Zustände im Europa des 16. Jahrhunderts sehr prägnant und glaubhaft. Auch anderen Kampfszenen wird kein unnötiger Detailreichtum gewidmet, sondern sogar im Gegenteil werden die Gefühle des Protagonisten zum Geschehen dargestellt, der zwar selbst zum Söldner wird, aber doch mit den unschuldigen Zivilopfern mitfühlt und angesichts der gesehenen - dem Leser aber nicht bildhaft geschilderten - Grausamkeiten oftmals Übelkeit empfindet.
Insgesamt ist es dem Autor sehr gut gelungen, den zu Beginn seiner Reise 20jährigen Jakob sympathisch und vor allem reflektiert darzustellen. Dabei legt Haefs einen überaus gewandten Sprachstil an den Tag. Er spielt regelrecht mit den Worten, erfindet unglaubliche Metaphern und legt den Protagonisten seinen zynischen Humor in den Mund. Seine Sprache wirkt intelligent und elaboriert und bedient sich keiner der üblichen Klischees, die im Genre des historischen Romans so gängig sind.
Als überzeugter Fan von Bernard Cornwells Uhtred aus der Sachsen-Saga habe ich "Die Rache des Kaisers" voll genossen, den Humor geliebt und die Gefühle des Protagonisten nachempfunden. Traurig macht mich lediglich, dass am Ende des Buches die Geschichte von Jakob Spengler abgeschlossen scheint und kaum auf eine Fortsetzung hoffen lässt.