Leander Luis von Latour, Enkel eines Sarazenen, ist in dritter Generation der Henker von Carcassonne. Neben Kenntnissen der menschlichen Anatomie, die er sich aufgrund seines Berufes aneignen konnte, hat er sich seine Philosophie konstruiert, wonach er sich als Pendant zu einer Hebamme versteht.....
Die Nonne Thekla wird auf Weisung des Papstes Gregor IX. aus ihrem Kloster im italienischen Piacenza ins südfranzösische Languedoc geschickt, um dort als, wie man es heutzutage nennen würde, "undercover agent" das Geheimnis der Katharer zu lüften. Nach einer alten Weissagung soll während des Pontifikates von Gregor IX. (1227-1241) in Okzitanien ein Merowingerspross aus dem Hause Davids und leiblicher Nachkomme von Jesus Christus in geboren werden.....
Ungeachtet der hanebüchen Handlung nimmt es der Roman mit geographischen, historischen Fakten und Begriffen nicht allzu genau. Entgegen dem Roman liegt die Stadt Toulouse keineswegs in der Provence, sondern in der Grafschaft mit dem selben Namen. Papst Gregor IX. starb im Alter von 71 Jahren und nicht fast hundertjährig. Die Vorläufer der Katharer auf dem Balkan wurden nicht Bugomilen, sondern Bogomilen genannt. Der Ort Lastour wird als Latour wiedergegeben. Mann und Frau werden als Parfait bezeichnet, obwohl Parfait (Perfectus) nur die männliche Form ist, und die weibliche (Perfecta) parfaite lautet. Entgegen dem Roman hatten die Katharer weder einen Großmeister(sondern einen Bischof), noch verkörperten sie das weibliche Prinzip. Die Gräfin von Foix und katharische Perfecta hieß weder Isabel (sondern Esclarmonde) mit Vornamen, noch hat sie einen Orden gegründet. Einige der nahezu ständig Tee (der erst im 17. Jahrhundert nach Europa gelangen sollte) trinkenden Romanakteure bedienen sich oftmals und wiederholt Wörter, die es in der Mitte des 13. Jahrhunderts noch nicht gegeben hatte, da sie aus späteren Jahrhunderten stammen: Degen, Märchen (15. Jh.), Mummenschanz (16. Jh.), Dogge, Mätresse, Maskenball, Taschenspieler(17. Jh.), Vampir, Schnurrbart (18. Jh.) und Armer Schlucker (20. Jh.).
Mit seinem neuen Werk, das eher opulent im Sinne von schwerverdaulich, denn historisch geraten ist, hat E. W. Heine jedoch den Vogel abgeschossen. Aus einem Templermythos und dem Namen einer Katharerburg fabuliert er den "Baphomet Queribus". Dieses abstruse Phantasieprodukt stellt er, als Verballhornung des Heiligen Gral (von span. Sangre real) und der katharischen Endura als "Sang de Saint" vor. Zusammengenommen verdient der Roman weder das Prädikat historisch, noch eine höhere Weihe (Bewertung) als 2 Amazonsterne und kann auch keinem ernsthaft an den Katharern interessierten Leser empfohlen werden.