...sondern ein bedeutender Teil eines Kunstwerkes, dass sogar auf eine gewisse Art "eingedeutscht" wurde - angefangen hat es in den USA mit Pulp-Romanen (Groschenromanen), es fand seinen Weg in den 70ern nach Japan, wo man eine Anmie-Serie aus dem Stoff machte und letztendlich kam es nach Deutschland, wo es mit einem ganz speziellen, deutschen Soundtrack versehen unvergesslich für eine ganze Generation wurde. Wer oder was Captain Future (CF) ist, denke ich, brauche ich auch nicht weiter ausführen - man braucht es nur einmal auf einer Party zu nennen, auf der die Gäste zwischen 30 und 45 Jahren alt sind und es leuchten die Augen :-)
Zu Einordnung in den Gesamtkontext ist es noch wichtig zu wissen, dass die Romane zwischen 1940 und 1946 aktiv geschrieben wurden (diese Geschichten fanden zum Teil ihren Weg in eine Anime-Fassung und liefen auch im deutschen Fernsehen in den 80er Jahren unter dem Titel "Captain Future"). In den Jahren 1947, 48 und 49 wurden keine CF-Geschichten veröffentlicht (Viele dachten schon, die Serie wäre tot), bis dann im Jahr 1950 und 1951 insgesamt 7 Kurzgeschichten herauskamen, die das CF-Werk nocheinmal aufblühen ließen und und Einblicke gaben, was noch passierte. Erst mit dem Abschluss der 7. Kurzgeschichte im Jahr 1952 wurde das CF-Epos beendet und es sind nie wieder weitere Geschichten erschienen.
Was man in diesem Buch findet, sind alle 4 Kurzgeschichten aus dem Jahr 1950 - zu ersten mal in deutscher Übersetzung.
Dieses Buch zu lesen ist aus zweierlei Gründen besonders interessant:
Kennt man die TV-Serie und möchte gerne wissen, was "danach" kam - also wie es mit dem Captain und seiner Mannschaft weiterging, welchen Gegnern er sich stellen musste, welche Rätzel zu lösen waren, was überhaupt aus ihm wurde, dann MUSS man dieses Buch lesen, denn die Geschichten spielen chronologisch nach den Romanen (=TV-Folgen).
Der zweite Grund ist der, dass man als Leser etwas mehr über die Tiefe des Charakters "Captain Future" erfährt, denn in den Romanen (=TV-Folgen) wurde er als heroischer Kämpfer für die Menschheit dargestellt, der mit seinem hochtechnisierten Raumschiff "Comet" und seiner Mannschaft gegen Größenwahnsinnige, dunkle Mächte und Schwerstkriminielle antritt, die die Freiheit der Menschen unterjochen wollen oder gar die Weiterexistenz der gesamten Menschheit in Frage stellen. Captain Future war also jemand für die ganz harten Fälle und er war immer an forderster Front dabei, wenn es darum ging, mit ausgeklügelter Wissenschaft und einem hohem Maß an Ethik den Problemen im Weltall zu begegnen. Er war ein Held und jemand, zudem die Erdbewohner aufblickten.
In den Kurzgeschichten jedoch erfahren wir etwas mehr über einen (leicht gealterten) Captain, denn es sind einige Jahre ins Land gegangen (Interessanterweise war Captain Future in der ersten Kurzgeschichte für 3 Jahre verschollen, also genau die (gut) drei Jahre 1947/48/49, in denen es keine CF-Geschichten gab). Er ist zwar immer noch der Captain, jedoch ist er niemand mehr, vom dem man den Eindruck hat, dass er wie früher sofort losziehen würde und es gegen den nächsten Größenwahnsinnigen Bösewicht aufnehmen möchte, der die Ordnung der Erde bedroht. Er ist vielmehr jemand geworden, der mehr und mehr nach den tiefen Geheimissen des Universums fragt und über das Alltägliche hinaus denkt - z.B. brennt er nach einer Antwort auf die Frage, woher die Menschen eigentlich kamen (und ja, die erste Kurzgeschichte liefert Antworten darauf) und wo die Menschheit ihren Platz findet zwischen all den Spezies im Weltraum.
Er scheint ein mehr nach innen gekehrt Mensch zu sein, umkreist gedanklich mehr denn Sinn nach allem, wirkt nachdenktlicher und scheint eine melanchonische Grundhaltung zum Leben entwickelt zu haben. Er ist jemand, der anfängt, auch an sich selbst zu zweifeln. Das Hier und Jetzt scheint ihn nicht mehr so sehr zu interessieren, wie früher, vielmehr macht er Grenzerfahrungen, die ihn auf eine neue Ebene des Seins (auch außerhalb seines Körpers) bringen. All diese Dinge bringen ihn zu einer Persönlichkeit, die eine Neubewertung dessen vorzunehmen scheint, was wirklich wichtig ist im Leben.
Captain Future wird jemand, der sich verändert, weil er viel erlebt hat - und gerade das ist es, was den Charakter so natürlich macht, denn ich denke, jedem Menschen geht es im Verlauf seines Lebens so.
Überhaupt könnte man das Thema "Grenzerfahrungen" als Überschrift über die Sammlung der 4 Kurzgeschichten in diesem Buch setzen, denn es geht hier nicht nur um den Captain - auch Simon Wright ("das lebende Gehirn") stößt an neue Grenzen und auch der allseits beliebte Roboter Grag muss sich einer Situation stellen, die noch nie zuvor so eingetreten war.
Dieses Buch hat seinen festen Platz in meiner Sammlung an CF-Literatur gefunden und ich bin dankbar, dass sich ein Verlag endlich mal diesem Werk angenommen hat. :-)