Wenn ein Vater nach zwölf Jahren zu seiner Familie zurückkehrt, erwartet man mehr als Schweigen. Man erwartet Freude, eine Form von Zärtlichkeit, die feinen Gesten der Sehnsucht. Nicht so bei diesem Vater, der gleich einem Felsen aus dem Meer aufsteigt und genauso kalt und undurchdringlich erscheint.
Hier wird nichts erklärt, der Regisseur präsentiert uns die Bilder und eine Kargheit an Dialogen, die oft Verzweiflung hervorrufen. Die Gedanken ticken lautlos und man liest sie den Schauspielern vom Gesicht ab.
Wir reden hier nicht von einer Sozialstudie, der Regisseur versteht seine Geschichte als einen mythologischen Blick auf das menschliche Leben. Dieser Blick kommt nicht aus Griechenland, Italien oder dem hohen Norden; er kommt aus Russland und birgt in sich die Kunst Tarkovskis gepaart mit der Eleganz der großen Maler. Denn so wie die Kamera uns vor jeder neuen Einstellung die Szenerie präsentiert, kann man nur ehrfurchtsvoll den Blick senken. Die Landschaft scheint in die Bilder hineingemalt zu sein, die Farben sind trostlos und gleichzeitig strahlend. Was im Verlauf der Geschichte auch geschieht, die Landschaft bleibt allein und unberührt zurück. Wir können ihr nichts - eine brilliante Reflektion des Lebens. Besonders als die Söhne mit ihrem Vater eine Lichtung überqueren und mittendrin kommt die Sonne heraus und betupft die Lichtung mit einzelnen hellen Punkten, da glaubt man wieder an das Wunder des Films.
Zu dieser Bildpracht kommt ein Vater, der eine absonderliche Neutralität besitzt, so daß man sich fragt, was zum Teufel stimmt nicht mit diesem Kerl und um was geht es hier überhaupt. Und da tritt der mythologische Aspekt ein. Wir begleiten eine scheinbar uralte Geschichte, die in ihrer Unerbitterlichkeit und Skurrilität keine Erklärungen braucht. Sie zu erklären wäre so, als ob man beim Telefonieren jedes Mal darüber nachdenken würde, wie ein Telefon funktioniert. Dasselbe gilt für diesen Film. Er funktioniert auch Dank der drei großartigen Schauspieler. Der ältere Bruder Andrej ist der Sohn, den alle Väter lieben. Sein Vater ist ein Idol. Der jüngere Bruder Iwan ist dagegen ein trotziger Löwe in Jungengestalt. Er ist klein und gedrungen und will wissen, was gespielt wird. Er gibt für ihn keinen Grund für Liebe oder Hochachtung, nur weil irgendwo das Schild VATER hängt. Der Vierzehnjährige verdient für diese Rolle einen Preis, er wird auf der Leinwand zu einem echten Menschen mit echten Schmerzen und ohne schaupielerische Attitüden.
DIE RÜCKKEHR ist ein Film mit wenig Schwächen und vielen Stärken. Es ist ein feines Gemälde, daß der Mythologie des Menschlichseins eine neue Tür öffnet. Ein Werk der Poesie.