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Die Rückkehr der Religionen: Fundamentalismus und der 'Kampf der Kulturen' [Taschenbuch]

Martin Riesebrodt
3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

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Dieses Buch wird sicherlich nicht soviel Aufmerksamkeit auf sich lenken, geschweige denn Furore machen, wie Samuel Huntingtons Kampf der Kulturen. Schade! Denn Martin Riesebrodts Kritik an Huntington entlarvt dessen Buch als das, was es ist: dürftig! Sorgfältig argumentierend entblößt er die darin entwickelte Kulturkampf-These als Mythos und zentrale Thesen als selbstwidersprüchlich und wissenschaftlich haltlos. Damit wischt er die Brisanz des Phänomens erstarkender Fundamentalismen selbst keineswegs beiseite. Vor allem übersieht er im Gegensatz zu Huntington nicht die Gefahren des "westlichen", vor allem in den USA erstarkenden protestantisch-christlichen Fundamentalismus.

Auf welche Bedürfnisse eben dieser westliche Fundamentalismus antwortet, dem Huntington in die Hände spielt, zeigt sehr schön ein Zitat des mittlerweile 43. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, George W. Bush, aus der Chicago Tribune vom 30. Januar 2000, das Riesebrodt in einer Fußnote aufführt: "Als ich aufwuchs, war die Welt gefährlich und wir wussten genau, wer die anderen waren. Es war: wir gegen die, und es war klar, wer "die" waren. Heute sind wir nicht so sicher, wer "die" sind; aber wir wissen, es gibt sie."

An der Person George W. Bush, der aus einer beispiellos umstrittenen Wahl am Ende als Sieger hervorgegangen ist, obwohl er insgesamt weniger Wähler-Stimmen für sich verbuchen konnte als sein Gegenkandidat, wird noch etwas anderes deutlich, dass nämlich die Trennungslinien nicht unbedingt zwischen, sondern durchaus auch innerhalb der Kulturen verlaufen können. Um diese Trennungslinien aufzubrechen, muss man Struktur und Funktion des Fundamentalismus verstehen. Und dazu hat der Chicagoer Religionssoziologe Riesebrodt mit seinem Buch im Gegensatz zu Huntington einen wertvollen Beitrag geleistet. --Andreas Vierecke

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Riesebrodt

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

"II. Die globale Rückkehr von Religionen

Die globale Rückkehr der Religionen als politische Kraft, Potential sozialer Identitätsbildung sowie als formendes Prinzip religiöser Subjekte bedeutet, wie schon eingangs erwähnt, eine Herausforderung an herkömmliche Religionstheorien und ihre expliziten wie impliziten Annahmen über die Unausweichlichkeit von Säkularisierungsprozessen. Huntington reagiert darauf, indem er die religiöse Prägung von 'Zivilisationen' als gleichsam 'ursprünglich' darstellt und somit Kultur essentialisiert. Jahrhunderte und selbst Jahrtausende hätten demnach am Kernbestand der religiös verstandenen Kulturen letztlich nichts geändert. Doch auch andere Ansätze in den Sozialwissenschaften sind einer Erklärung der komplexen Lage der Religion in der modernen Welt nicht angemessen. Man kann weder Säkularisierung als immanenten Trend institutioneller Differenzierung leugnen, noch die dramatische Rückkehr der Religionen modernisierungstheoretisch wegdiskutieren. Statt dessen benötigen wir eine Revision unserer religionstheoretischen Annahmen und Perspektiven. Dies will ich in diesem Kapitel in Angriff nehmen, um daran anschließend den Begriff des Fundamentalismus weiter zu präzisieren.
Kann es eine universale Theorie der 'Religion' geben?
Ein solcher Versuch, eine neue Religionstheorie zu entwerfen, mag zunächst einmal überraschend oder gar naiv wirken. Es mag den überraschen, der einen klar definierten universalen Religionsbegriff vertritt, wie er etwa in der Religionsphänomenologie oder in der Durkheimschen Tradition der Religionssoziologie anzutreffen ist, und der sich deshalb von einer Modifikation des Religionsverständnisses nicht viel verspricht. Für Anhänger eines postmodernen Relativismus mag ein solcher Ansatz hingegen naiv erscheinen, weil er als ein weiterer, offensichtlich zum Scheitern verurteilter Versuch betrachtet werden muß, einen spezifisch westlich modernen Begriff anderen Gesellschaften und Kulturen überzustülpen. Viele Aut oren vertreten die Ansicht, daß 'Religionen' eine solche Vielfalt von Glaubensvorstellungen, Symbolen und Praktiken hervorgebracht haben, daß man diese unmöglich in einer einzigen Definition oder Theorie erfassen könne. Andere haben noch weitergehend argumentiert, daß die Bedeutung von 'Religion' im Kontext von Macht diskursiv erzeugt wird und sich deshalb historisch und traditionsgebunden unterschiedlich konstituiere. Obendrein wird bemängelt, daß solche generellen Definitionen von Religion in der Regel lediglich westlich-ethnozentrische Perspektiven und Normen darstellen, die im Gewande universaler Wahrheiten auftreten.
Vieles an diesen Kritikpunkten ist sicherlich berechtigt. In der Tat haben Religionstheorien häufig den Geist der europäischen Aufklärung oder der romantischen Reaktion gegen diese widergespiegelt und haben Religionen an rationalistischen und normativen Modellen kognitiven Fortschritts, moralischer Vervollkommnung oder des modernen 'Selbst' gemessen. Religion wurde r ationalistisch kritisiert oder auf Metaphysik und vor allem Ethik reduziert. Oder sie wurde alternativ ins Irrationale abgedrängt zum Zwecke der Disqualifizierung und Pathologisierung einerseits, der Immunisierung gegen Kritik andererseits. Gewiß kann man in vielen Religionstheorien einen eurozentrischen Provinzialismus konstatieren, der sich als Universalismus geriert. Dennoch erscheint mir ein Verzicht auf einen einheitlichen Religionsbegriff und eine universale Religionstheorie auch keine Lösung darzustellen. Denn selbst Autoren, die den Religionsbegriff explizit ablehnen und eine universale Religionstheorie weder für wünschenswert noch für möglich halten, verwenden ihn dann doch, sogar im Titel ihrer Bücher. Benötigt werden bessere Theorien, nicht prophylaktischer Theorieverzicht.
Wer dabei einen einheitlichen Religionsbegriff umgehen will, kann dies durchaus tun ..."
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