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Dieses Buch wird sicherlich nicht soviel Aufmerksamkeit auf sich lenken, geschweige denn Furore machen, wie Samuel Huntingtons
Kampf der Kulturen. Schade! Denn Martin Riesebrodts Kritik an Huntington entlarvt dessen Buch als das, was es ist: dürftig! Sorgfältig argumentierend entblößt er die darin entwickelte Kulturkampf-These als Mythos und zentrale Thesen als selbstwidersprüchlich und wissenschaftlich haltlos. Damit wischt er die Brisanz des Phänomens erstarkender Fundamentalismen selbst keineswegs beiseite. Vor allem übersieht er im Gegensatz zu Huntington nicht die Gefahren des "westlichen", vor allem in den USA erstarkenden protestantisch-christlichen Fundamentalismus.
Auf welche Bedürfnisse eben dieser westliche Fundamentalismus antwortet, dem Huntington in die Hände spielt, zeigt sehr schön ein Zitat des mittlerweile 43. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, George W. Bush, aus der Chicago Tribune vom 30. Januar 2000, das Riesebrodt in einer Fußnote aufführt: "Als ich aufwuchs, war die Welt gefährlich und wir wussten genau, wer die anderen waren. Es war: wir gegen die, und es war klar, wer "die" waren. Heute sind wir nicht so sicher, wer "die" sind; aber wir wissen, es gibt sie."
An der Person George W. Bush, der aus einer beispiellos umstrittenen Wahl am Ende als Sieger hervorgegangen ist, obwohl er insgesamt weniger Wähler-Stimmen für sich verbuchen konnte als sein Gegenkandidat, wird noch etwas anderes deutlich, dass nämlich die Trennungslinien nicht unbedingt zwischen, sondern durchaus auch innerhalb der Kulturen verlaufen können. Um diese Trennungslinien aufzubrechen, muss man Struktur und Funktion des Fundamentalismus verstehen. Und dazu hat der Chicagoer Religionssoziologe Riesebrodt mit seinem Buch im Gegensatz zu Huntington einen wertvollen Beitrag geleistet. --Andreas Vierecke
Pressestimmen
Buchnotiz zu : Frankfurter Rundschau, 12.03.2001
Ulrike Brunotte ist hell erfreut darüber, dass endlich ein Autor die Bildfläche betritt, der Samuel Huntingtons berühmt-berüchtigter These vom "Kampf der Kulturen" eine schlüssige und ideologiekritische Analyse der fundamentalistische Züge im Islam wie auch im Christentum gegenüberstellt. Allein schon dafür erntet der Fundamentalismusforscher Martin Riesebrodt, der seit über zehn Jahren in Chicago lehrt, ein dickes Lob von der Rezensentin. Riesebrodts Amerikaaufenthalt wirkt sich auch positiv auf den Schreibstil aus, merkt Brunotte an: Komplizierte Sachverhalte wisse er in eine verständliche und klare Sprache zu übersetzen. Gerade die vom Autor entwickelte neue Religionstheorie ist so auch für Nicht-Soziologen verständlich, meint die Rezensentin. Aber nicht nur die Sprache besticht. Interessant findet Brunotte, dass der Soziologe weniger eine theologische als eine pragmatische Perspektive religiöser Praxis entwickelt. Religiöse Rituale funktionieren für den Autor als Krisenmodulatoren in modernen Gesellschaften. Besonders spannend findet die Rezensentin das letzte Kapitel des Buches. Die Interviews mit südkoreanischen Charismatikerinnen zeigten einmal mehr, wie gesellschaftliche Krisen - hier der Konflikt zwischen emanzipatorischer und traditioneller Frauenrolle - zu religiösem Engagement führen können, berichtet Brunotte. Und trotzdem ändere sich nichts. Fundamentalismus ist und bleibt Männersache. Ein Ergebnis, das Riesebrodts Untersuchung eindeutig präsentiert, erklärt die Rezensentin zustimmend.
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