"Die Rückeroberung" enthält zweifellos einige der stärksten Kurzgeschichten Hohlers. Sein bemerkenswertes Talent, die unglaublichsten Ereignisse so darzustellen, als wären sie eher alltäglich, kommt hier voll zur Geltung. Obwohl sich dieses Konzept durch die meisten der neun Erzählungen hindurchzieht, sind die einzelnen Geschichten dennoch sehr unterschiedlich. Hohler beweist dabei einmal mehr seine Vielseitigkeit. Das Buch eignet sich wie kaum ein anderes zum Vorlesen. Einerseits sind die Geschichten oft so fesselnd, daß sie das Publikum nicht mehr loslassen, andererseits sind sie voller sprachlicher Perlen, die sich ebenso gut hören wie lesen lassen. Die ersten Seiten von "Das Halstuch" etwa sind wohl die pointierteste Beschreibung der Stadt Zürich, die denkbar ist, und sie leiten in unnachahmlicher Weise in die eigentliche Geschichte über. Hohler versäumt es nicht, seine eigenen Meinungen in den Erzählungen unterzubringen. Manche Geschichte läßt sich, wie obskur ihre Handlung auch erscheinen mag, auch als Mahnung verstehen, die Welt nicht nur aus einem ewiggleichen Blickwinkel zu betrachten. Und hier liegt wohl auch Franz Hohlers größte Stärke: seine scharfen Beobachtungen in fesselnde Geschichten umzuwandeln. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)