Wie so oft, wird auch in diesem Fall die deutsche Übersetzung des Titels dem Originaltitel bzw. dem Inhalt des Buches nicht gerecht. Rache der Israelis für das Olympia-Massaker war eine der Motivationen für die Attentate. Prävention zur Verhütung künftiger Anschläge und die Verbreitung von Angst und Schrecken unter den palästinensischen Operateuren waren weitere. Das Kalkül war, dass Terroristen sich mit der eigenen Sicherheit mehr beschäftigen mussten als mit der Planung und Durchführung weiterer Terrorakte. Wenigstens zeitweise ging diese Rechnung auf.
Ausserdem beschreibt Aaron J. Kleins Werk nicht, wie im deutschen Titel suggeriert, die Jagd auf die Olympia-Mörder, da fünf davon bereits während der verheerenden "Befreiungsaktion" zusammen mit den israelischen Geiseln umkamen. Von den restlichen drei Personen starb eine eines natürlichen Todes, die zwei anderen wurden vom Mossad im Jahre 1986 ohne weitere Begründung kurzerhand für tot erklärt, wohl um endlich einen Schluss-Strich unter die Aktionen zu setzen. Eine von diesen beiden gab jedoch noch im Jahr 2000 ausführliche Interviews. Von zwei maßgeblichen Hintermännern wurde einer von den eigenen Leuten umgebracht, der zweite konnte in den Neunzigerjahren ungehindert durch israelisches Gebiet reisen.
In der dazwischen liegenden Zeit machte der israelische Geheimdient Jagd auf Mitglieder und Mitläufer des Schwarzen September, der PLO und der Fatah, die in den seltensten Fällen direkt mit dem Olympia-Massaker in Verbindung standen. Er ging dabei skrupellos - zunächst auf europäischem Territorium - vor und suchte sich zuerst "weiche Ziele" aus, also eher "kleine Fische", die unbewaffnet und ohne Sicherheitsvorkehrungen ein ganz normales Leben führten. Unter der damaligen israelischen Ministerpräsidentin Golda Meir wurden derartige Todesurteile recht zügig verhängt.
Mit der spektakulären Aktion mitten in Beirut, bei der drei wirkliche Top-Terroristen aus dem Umfeld Arafats, jedoch ohne direkte Verbindung zu München, in ihren eigenen Häusern erschossen wurden, erreichte der Mythos vom langen Arm des Mossad seinen Höhepunkt. Wenig später wurde in Lillehammer dieser Nimbus angekratzt, da dort aufgrund einer recht tölpelhaften Verwechslung ein völlig Unschuldiger sein Leben lassen musste.
Neben diesen gezielten Tötungen beschreibt der Autor ausführlich den Hergang des Geiseldramas bei den Olympischen Spielen in München. Die damalige Stümperhaftigkeit der bayerischen Behörden und der Polizei wirkt auch heute noch peinlich. Sie war nicht durch mangelnde Erfahrung im Umgang mit Terroristen zu entschuldigen. Es war einfach reine Dummheit, ein voll aufgetanktes Flugzeug zur Flucht bereitzustellen, das nach Polizeiplan nie starten sollte aber während der geplanten Befreiungsaktion aufgrund einer Granate oder Kugel ein Flammenmeer auslösen konnte. Oder man "vergaß" einfach die Anzahl der Terroristen an die Einsatztruppe weiterzugeben, so dass auf acht Terroristen fünf Scharfschützen kamen. Das sind nur zwei Beispiele von vielen.
Auch der Mossad kommt im Vorfeld der Ereignisse extrem schlecht weg. Er hatte weder Hinweise auf den bevorstehenden Terrorakt noch gewährleistete er zu irgendeinem Zeitpunkt den persönlichen Schutz der israelischen Olympioniken. Das war mit ein Grund, durch die Tötungsaktionen die erlittene Schmach wieder wettzumachen.
Aaron J. Klein ist ein intimer Kenner der israelischen Geheimdienstszene. Er stützt sich bei seiner Beschreibung auf Informationen sowohl aus hochstehenden israelischen als auch palästinensischen Kreisen. Klein beschreibt die Ereignisse objektiv und nennt dabei Mord Mord, egal von welcher Seite er begangen wurde. Was dieses Werk nicht bietet, und das lag wohl auch nicht in der Absicht des Autors, ist eine umfangreiche Analyse über die langfristigen politischen Auswirkungen der Mossad-Aktionen. Dieses Thema wäre ein weiteres Buch wert.
Ein Appell an den Verlag: Bitte schätzen Sie die deutschen Leser nicht immer dümmer als die Angelsachsen ein. Das Original dieses Buches heißt "Striking Back. The 1972 Munich Olympics Massacre and Israel's Deadly Response". Genau das - nicht mehr und nicht weniger - wurde in diesem spannenden Buch beschrieben.