'"Die Welt ist schon da! schlaf- schnüffelte Ray und roch Schärfe. Von ganz tief unten tauchte er auf, trieb an der hachdünnen Grenze zwischen Nacht und Normalität, wurde von zooigem, muffigem Geruch bedrängt und fiel hinüber in den Tag. Öffnete die Augen einen Haarspalt und sah durch die vibrierenden Riffel seiner Wimpern das Laken, das wohl die ganze Nacht auf seinem Kopf gelegen hatte. Laken, das ihn immer noch schützte vor unsichtbarem Draußen, Gerüche allerdings nicht abschirmte."' (Norman Ohler: 'Die Quotenmaschine'; rororo; 1998; S. 9) Genauso wie Sie ,liebe Leser, dachte ich auch als ich die ersten Zeilen der Quotenmaschine gelesen hatte. Ohne Zweifel ist die außergewöhnliche Sprache eine Besonderheit des Erstwerks von Norman Ohler. Es ist die Geschichte des modernen Frankenstein- Monsters Ray, dessen Mutter während seiner Geburt bereits lange verstorben war. Die ungewöhnliche Schwangerschaft und Geburt ist das medizinische Meisterwerk Dr. Kipplers. Ray der nicht damit leben kann, dass er 'aus Tod zusammengeschraubt' ist, spürt Dr. Kippler in Brooklyn auf und rächt sich durch dessen Tod an seiner unfreiwilligen Existenz. In Hoboken, auf der anderen Seite New Yorks, ermittelt der stumme Detektiv Maxx Rutenberg den Fall. Maxx und Ray sind aber eine Person. Ermittler und Täter sind eine Person...
Wie schon erwähnt spielt der Roman in New York, dies bringt einen autobiografischen Aspekt in die Handlung, da sich Ohler auch in New York aufhielt während er den Roman schrieb, was sich insbesondere in der detaillierten Beschreibung der Stadt bemerkbar macht.
Geboren wurde er 1970 in Zweibrücken, ging 1993 nach New York und schrieb dort diesen Roman. Dies ist der zweite autobiografische Aspekt des Romans, da Maxx seine Ermittlungen in Form eines Romans im Internet veröffentlicht, so wie auch Ohler es mit seinem Roman tat.
Das Problem an dem Buch ist, das Buch selbst. Ohler setzt sich mit diesem Cyberpunk- Roman ganz klar gegen das Buch in seiner ursprünglichen Form ein. Er lässt die Hauptfigur einen Roman schreiben, welchen diese schrittweise im Internet veröffentlicht und somit offen lässt für Weiterentwicklung. Doch dies ist mit dem Roman in seiner gedruckten Form nicht möglich. So ist mein einziger negativer Kritikpunkt an diesem doch sehr außergewöhnlichen Roman, dass er so wie er mir als gedrucktes Buch vorliegt, seine Thematik selbst verfehlt und so widersprüchlich ist.
Ansonsten bewerte ich diesen Cyberpunk- Roman als lesenswertes Werk einer modernen Zeit, welche besonders durch die 'neue' von Ohler verwendete Sprache unterstrichen wird. Der Roman ist mal was Anderes, mit keinem typischen 08/15-Stil.
Alles in allem kann ich den Roman jedem empfehlen, der bereit ist sich auf einen außergewöhnlichen Roman der Moderne, der in einer ungewöhnlichen Sprache verfasst ist, einzulassen. Jedoch sage ich dazu, das dies auch zwingend erforderlich ist, da man sonst mit diesem Roman, in dem alles anders ist als in einem herkömmlichen Krimi, nicht zurecht kommt.