Es gibt sicher bildgewaltigere Bücher als Monika Schirmers Die Quitte, eine fast vergessene Obstart". Und wer nach einem opulenten Band sucht, für den Profifotografen schon in aller Herrgottsfrüh die Tautropfen auf dem Filz der gelben Früchte suchten, sollte dieses Buch nicht kaufen. Fotos sind rar auch bei Monika Schirmers fünfter überarbeiteter Auflage und besitzen ausschließlich Info-Charakter, wie bei den nun ausführlich bebilderten Sortenbeschreibungen.. Überaus reich dagegen ist die Flut der Informationen über die nach Ölbaum und Weinstock wohl wichtigste Frucht des antiken Mittelmeerraums. Ob Sortenwahl oder Eigenschaften, Geschichte oder Rezepte, Liebeszauber oder Heilmittel: Es scheint kein Archiv, keine alte Schrift, kein Großmütterchen zu geben, deren Wissen Monika Schirmer nicht angezapft hätte. Quittenverrückt" nennt sich die Autorin selber und so profitiert der Leser von einer ungewöhnlichen Leidenschaft. Die Regensburgerin beschäftigt sich seit 1970 mit dieser Obstart, regte mit ihren Recherchen vor allem in Bayern dazu an, alte Quittenpflanzungen zu regenerieren.
Monika Schirmers Buch ist vor allem eine Fundgrube für kreative Köche. Die kulinarische Bandbreite der Quitte scheint unendlich. Rund 250 der fast 400 engbedruckten Seiten widmet Schirmer dem Thema Verwendung, beleuchtet es zu allen Zeiten und von allen Seiten, stellt historische Originale den selbsterprobten Geheimrezepten gegenüber: Quitten als Saft, Wein oder Likör, Marmelade, Süßigkeit oder Gebäck, zu Fleisch oder Fisch, als Soße oder Senf, gekocht, getrocknet, gebraten oder eingelegt - man bräuchte Jahre, um diese Vielfalt nachzukochen. Und dennoch, so scheint es, besitzt diese Frucht das Potential für noch mehr ungeahnte Köstlichkeiten.
Quitten sind fast restlos zu verwerten. Das, was Hausfrauen normalerweise wegwerfen, Kerne, Gehäuse, Blütenansatz und Schalen, sind besonders reich mit wertvollen Inhaltsstoffen gesegnet, mit Pektinen, Antioxidantien, Vitaminen und vielem mehr. Von manchen, so Schirmer, kenne man die Wirkungen noch gar nicht genau. Glaubt man den von ihr zitierten Wissenschaftlern, so lindert die Frucht nicht nur Erkältungskrankheiten, sondern sogar Rheuma und Arteriosklerose . Ausserdem soll sie viele Alters-Wehwehchen verhindern. Voraussgesetzt , man isst Quitten regelmäßig und in größeren Mengen. Was wieder zu den Bildern in Monika Schirmers Buch zurückführt: Viele von ihnen zeigen die Sorten, die in Deutschland erhältlich sind - und aus den Erfahrungen Schirmers lässt sich der Wunschbaum für den eignen Garten mühelos herauslesen. Als Garant für künftige Quittenwonnen...