Die Geschichte vom Tellerwäscher zum Millionär gilt heute noch für Unterhaltungskünstler und Hochleistungssportler. Oft ist das verdiente Geld auch rasch wieder in alle Winde zerstreut. Bei den Quandts handelt es sich nicht um Millionäre, sondern um Vermögensmilliardäre. Ihre Familiengeschichte bestätigt die Regel, daß derartige Vermögen nicht in einer einzigen Generation erworben werden, sondern in mehreren. Eine erste Aufbaugeneration ist in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in einer brandenburgischen Kleinstadt in einer Branche erfolgreich. Ein Sohn wird an einer Berliner Schule ausgebildet und erweist sich als ein geniales Unternehmertalent, das erfolgreiche praktische Unternehmungsführung mit erfolgreichen Finanzgeschäften zu verbinden weiß. Im Ersten Weltkrieg ist er für den aktiven Wehrdienst schon zu alt und wird das klassische Beispiel eines Kriegsgewinnlers, und selbst aus dem Zweiten geht das in vielen Branchen tätige Familienunternehmen letztlich gestärkt hervor. Eine weit über das persönliche Schicksal hinausreichende Bedeutung erhält das Buch dadurch, daß der erfolgreiche Unternehmer der dritten Generation, Harald Quandt, zugleich der Stiefsohn von Joseph Goebbels ist. Dem Schicksal von Haralds Mutter und seinen Halbgeschwistern sind in dem Buch viele sehr gut geschriebene und gut recherchierte Seiten gewidmet. Es wird sogar die Frage gestellt, ob die Tatsache, daß Harald, der dann selbst eine Familie mit fünf Töchtern hatte, damit ein seelisches Gegengewicht gegen den Tod seiner Mutter und Halbgeschwister schaffen wollte. Die Frage muß unbeantwortet bleiben: Die unternehmerische Begabung der Familie äußert sich bei den Töchtern vor allem darin, daß sie für BMW, wofür die Quandts inzwischen die Aktienmehrheit haben, immer wieder fähige Spitzenmanager finden und sich nicht, wie bei vielen Unternehmen eingetreten, das Heft völlig aus der Hand nehmen lassen. Ein spannend geschriebenes und sehr empfehlenswertes Buch, das ausgedachte Familiengeschichten und -sagen durch die Schilderung von wirklich Geschehenem an Großartigkeit und Bedeutung weit übertrifft.