Wenn man eine Rezension über diesen Film wagt,dann muss man auf jeden Fall den Produktionszeitraum und den Kontext mit im Auge haben. Ich möchte nur daran erinnern, dass es noch nicht allzu lange her ist, seit der § 175 aus dem deutschen Gesetzbuch gestrichen wurde.
Auch waren die 60er und 70er Jahre wesentlich offener was Sexualität betrifft als die 80er, 90er, 20er oder gar 21er. Ich glaube das ist wichtig festzuhalten, bevor wir einen Blick auf den Film werfen.
Zwischen dem jungen gutaussehenden Lehrer Lorenzo und dem Schüler Duilio entwickelt sich eine Beziehung die nicht ganz den gewohnten Konventionen entspricht.
Irgendwie hat sich langsam aber beständig eine tiefe Emotion entwickelt, die beidseitig stark ist. Der Bauernjunge Duilio erklimmt durch den Lehrer einen ganz neuen Horizont. Sehr eindringlich, gefühlvoll und realitätsnah werden diese Gefühlsfacetten ausgedrückt, in Wort und Bild.
Ebenso werden die Zwiespälte dargelegt in denen sich Lorenzo befindet, wie er darum kämpft nicht das zuzulassen was er empfindet. Wie groß und tief ist Duilios Schmerz, gar Verzweifelung als der Lehrer eine für kurze Zeit fern bleibt.
Für mich ist der Film wirklich eine kleines Kunstwerk, das es sehr authentisch darzustellen versucht hat was diese Problematik mit sich bringt. Trotz der Ruhe, die im Film an vielen Stellen gegenwärtig ist, weicht aber auch nicht die Spannung, wie sich das verpönte Verhältnis, das eigentlich immer und ausnahmslos in geordneten und erlaubten Bahnen verläuft, entwickelt. Auch die Dialoge sind sehr gesittet, vorsichtig, feinfühlig, respekt- und niveauvoll.
Ich glaube noch gewagter hätte man lediglich in den 60er und 70ern inszenieren können, in den 80ern war dies nicht mehr möglich und heutzutage besteht diesem Thema gegenüber eh eine übertiebene Hysterie, die jeglichen Versuch einer sachlichen Darstellung, oder Auseinandersetzung zunichte machen würde.
Ebenso ist der Film, obige Kriterien berücksichtigend, in keinster Weise verklemmt, sogar eine simple Nacktszene ist zu sehen, ich betone eigens simpel, denn diese in einem schwulen Film heutzutage zu finden ist sehr schwierig, würde fast wie ein Tabubruch abgesehen.
In meinen Augen eine Art Lehrstück für jedermann, das die Augen weitet und etwas Herzensbildung betreiben könnte