17 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Zwiespältig, 2. Dezember 2002
Die Psychologin Dr. Michael Stone hat sich auf Fälle von Mißbrauch spezialisiert, sei es von Kindern, sei es von Erwachsenen. In einem Sorgerechtsfall soll sie vor Gericht aussagen, ob ihrer Meinung nach ein Fall von Mißbrauch seitens des Vaters zweier Kinder vorliegt. Der sechsjährige Sohn hat seiner Lehrerin erzählt, sein Vater verginge sich an seiner dreijährigen Schwester. Bereits in Dr. Stones erstem Gespräch mit der Dreijährigen ist das Resultat eindeutig, das Kind spricht eine deutliche Sprache. Das Seltsame ist jedoch, dass die Mutter überzeugt ist, der Vater habe die Mißbrauchsgeschichte nur erfunden, um seine Frau in Mißkredit zu bringen.
Der Sorgerechtsfall wird aufgrund des guten Leumunds des Vaters und weil die Kinder vor Gericht nicht aussagen dürfen, für den Vater entschieden, der die Kinder mit sich nach Hause nimmt. Der Vater, ein erfolgreicher Chirurg, wird in die Klinik gerufen, und als er nach Hause zurückkehrt, sind die Kinder verschwunden. Sie werden in ihren Betten bei der Mutter gefunden, ermordet. Die Mutter wird als mutmaßliche Täterin verhaftet.
Dr. Michael Stone steht nun im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses, da sie sich für das Sorgerecht der Mutter ausgesprochen hatte. Dass die Mutter psychisch labil war, wußte die Psychologin vorher schon, aber sie hielt eine psychisch Labile für den besseren Elternteil, wenn die Alternative ein mutmaßlicher Kinderschänder ist. Dr. Stone geht der Geschichte nach und erhält dabei entscheidende Hinweise von einem Sträfling, der wegen sadistischer Mißbrauchspraktiken einsitzt.
Das Buch ist zweifelsohne spannend. Die Einblicke in die Arbeit und die Sichtweise eines Psychologen sind hochinteressant, die Fälle an sich unaussprechlich grausam und abstoßend. Man fragt sich unweigerlich, wie viele Sadisten und Kinderschänder man selbst möglicherweise kennt, so viele davon tauchen auf diesen knapp 320 Seiten auf. Technisch und sprachlich weist das Buch jedoch Mängel auf. Die Autorin setzt quasi voraus, dass man mit ihrem Leben, ihrer persönlichen Vergangenheit und ihren Bekannten bereits vertraut ist, und verzichtet oftmals auf das Vorstellen eines Charakters, der für die Entwicklung des Plots keine konkrete Rolle spielt. Das Zitat des Romans "Menschenkind" wird viel zu spät erklärt - ich hatte das Buch nur zufällig ebenfalls gelesen und fand mich deswegen damit zurecht. Die Übersetzung ist außerdem voller Flüchtigkeitsfehler. Trotzdem ist das Buch durchaus empfehlenswert und wird für mich nicht das letzte dieser Autorin gewesen sein.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein
11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
spannend von der 1. bis zur letzten Seite, 15. Mai 2000
Von Ein Kunde
Das Buch fängt relativ "harmlos" an, und schon dieser Anfang stellt einem die Nackenhaare auf. Die Psychologin Michael Stone soll im Zuge eines Sorgerechtsverfahrens ein Gutachten erstellen, in dem sie überprüft, ob die Aussage des 6-jährigen Andrew, seinen Vater beim sexuellen Mißbrauch seiner 3-jährigen Schwester beobachtet zu haben der Wahrheit entspricht. Sie kommt recht schnell zu dem Ergebnis, dass der Junge die Wahrheit sagt, weiss jedoch auch, dass die Kinder vor Gericht nur eine geringe Chance haben werden. Ihr Vater ist ein angesehener Chirurg und hat eine grosse Anzahl von Zeugen die seine Unschuld bezeugen wollen, und somit die Glaubwürdigkeit der Kinder in Frage stellen. So sieht die Lage zu Beginn des Buches aus, und die nun folgenden Ereignisse überschlagen sich förmlich. Die Autorin schreibt derart eindringlich und mitreissend, dass es einem schwerfällt, das Buch aus der Hand zu legen, und man liest mit klopfendem Herzen weiter. Ich hoffe, mit diesen wenigen Zeilen Geschmack auf das Buch gemacht zu haben, selberlesen ist nämlich das Spannenste. Ich würde auch empfehlen, den Klappentext nicht unbedingt zu lesen, so wird man vollkommen überrascht. Wer Lust hat auf subtilen Nervenkitzel; unbedingt lesen!!! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein
16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein fesselnder Thriller auf hohem psychologischen Niveau!, 26. Oktober 2000
Von Ein Kunde
Anna Salters Roman besticht durch ungewöhnlichen psychologischen Tiefgang und präzisen Einblick in seelische Prozesse. Die Figuren sind authentisch und glaubwürdig und trotz intelligenter tiefenpsychologischer Introspektive verliert das Buch niemals an Spannung oder wirkt trocken und schwer lesbar. Obwohl auch hier das derzeit populäre Thema Kindesmißbrauch aufgegriffen wird, geschieht es in außergewöhnlich intelligenter und einfühlsamer Weise. Die Autorin verzichtet auf Klischees, stattdessen ist ihre persönliche Kenntnis des Themas dem gesamten Text immanent und macht "Die Psychologin" nicht nur zu einem fesselnden Thriller mit überraschendem Ende, sondern auch zu einem intellektuell hochwertigen Statement zu einem klischeebelasteten, aber unglaublich wichtigen Thema. Ein durch und durch gelungener Roman, der Lust auf mehr macht!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein