Die Psychologin Dr. Michael Stone hat sich auf Fälle von Mißbrauch spezialisiert, sei es von Kindern, sei es von Erwachsenen. In einem Sorgerechtsfall soll sie vor Gericht aussagen, ob ihrer Meinung nach ein Fall von Mißbrauch seitens des Vaters zweier Kinder vorliegt. Der sechsjährige Sohn hat seiner Lehrerin erzählt, sein Vater verginge sich an seiner dreijährigen Schwester. Bereits in Dr. Stones erstem Gespräch mit der Dreijährigen ist das Resultat eindeutig, das Kind spricht eine deutliche Sprache. Das Seltsame ist jedoch, dass die Mutter überzeugt ist, der Vater habe die Mißbrauchsgeschichte nur erfunden, um seine Frau in Mißkredit zu bringen.
Der Sorgerechtsfall wird aufgrund des guten Leumunds des Vaters und weil die Kinder vor Gericht nicht aussagen dürfen, für den Vater entschieden, der die Kinder mit sich nach Hause nimmt. Der Vater, ein erfolgreicher Chirurg, wird in die Klinik gerufen, und als er nach Hause zurückkehrt, sind die Kinder verschwunden. Sie werden in ihren Betten bei der Mutter gefunden, ermordet. Die Mutter wird als mutmaßliche Täterin verhaftet.
Dr. Michael Stone steht nun im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses, da sie sich für das Sorgerecht der Mutter ausgesprochen hatte. Dass die Mutter psychisch labil war, wußte die Psychologin vorher schon, aber sie hielt eine psychisch Labile für den besseren Elternteil, wenn die Alternative ein mutmaßlicher Kinderschänder ist. Dr. Stone geht der Geschichte nach und erhält dabei entscheidende Hinweise von einem Sträfling, der wegen sadistischer Mißbrauchspraktiken einsitzt.
Das Buch ist zweifelsohne spannend. Die Einblicke in die Arbeit und die Sichtweise eines Psychologen sind hochinteressant, die Fälle an sich unaussprechlich grausam und abstoßend. Man fragt sich unweigerlich, wie viele Sadisten und Kinderschänder man selbst möglicherweise kennt, so viele davon tauchen auf diesen knapp 320 Seiten auf. Technisch und sprachlich weist das Buch jedoch Mängel auf. Die Autorin setzt quasi voraus, dass man mit ihrem Leben, ihrer persönlichen Vergangenheit und ihren Bekannten bereits vertraut ist, und verzichtet oftmals auf das Vorstellen eines Charakters, der für die Entwicklung des Plots keine konkrete Rolle spielt. Das Zitat des Romans "Menschenkind" wird viel zu spät erklärt - ich hatte das Buch nur zufällig ebenfalls gelesen und fand mich deswegen damit zurecht. Die Übersetzung ist außerdem voller Flüchtigkeitsfehler. Trotzdem ist das Buch durchaus empfehlenswert und wird für mich nicht das letzte dieser Autorin gewesen sein.