Das neue Buch von Thorsten Hinz ist für all jene, die entweder bereits wissen oder dabei sind, es zu merken, dass etwas gehörig faul ist im Lande Deutschland, absolute Pflichtlektüre. Mit gewohnt spitzer Feder und treffsicherer Wortwahl seziert Hinz die psychologischen Auswirkungen der totalen Niederlage '45 und wie diese historische Zäsur die Mentalität eines ganzen Volkes bis in die weitesten Verästelungen seines Lebens geprägt hat.
Bevor manche OberstudienrätInnen sich jetzt aufgeregt und luftschnappend an den Kopf fassen: Hinz geht es nicht darum, begangene Verbrechen in Abrede zu stellen, dieses Buch behandelt den religiösen Schuldkult der Deutschen, der erst oktroyiert, mit der Zeit adaptiert und nun selbst höchst penibel gepflegt wird. Dieser Kult macht, wie Hinz aufzeigt, eine intersubjektive wissenschaftliche Behandlung der Geschichte und somit eine an den Fakten orientierte Aufarbeitung unmöglich und wird so zum Geschwür einer Nation, deren akute Probleme teils daher rühren, teils gerade deswegen aber nicht gelöst werden können.
Wer also offene Worte, an denen man sich natürlich reiben kann und gerade auch soll (geistige Dressur ist ja gerade das, wogegen angeschrieben wird), schätzt und einen klaren Blick auf die Geschehnisse, der im hysterischen Wissenschafts- und Medienbetrieb nicht gestattet wird, schätzt, der investiere die paar Euro - ich bin sicher, er wird es dem Autor danken.