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Natürlich geht's ihm wieder um alles: um nichts Geringeres als die Schöpfung. Sozusagen ein 268seitiges Einschreiben an Gott. Ob ER die Annahme verweigert, wissen wir nicht, sind aber einstweilen froh, daß uns der Hanser Verlag eine Kopie zur Verfügung stellt.
Wie zu erwarten, ist das Niveau hoch und zunächst keiner drauf. Als Ouvertüre ein Patchwork westlicher Kultur von Adam und Eva über Kabbala bis Golem. Zwar läßt sich nach den Worten eines berühmten Rabbis das Alte Testament in 15 Sekunden erklären, aber was hätten wir dann zu lesen?
Mir nach, Leser! Wir stoßen zum spannenden Kern des Romans vor: Dem Genforscher Victor Werker ist es gelungen, Leben aus der Retorte zu erzeugen. Dies und nicht nur dies führt zu allerhand praktischen, psychischen, philosophischen, metaphysischen Ab-, Irr-, Um- und Auswegen, die Harry Mulisch nun wahrlich meisterhaft und amüsant zu schildern und darzulegen versteht, da er nicht nur ein angenehm selbstironischer, sondern zudem hochbelesener und nicht besserwisserischer Autor ist; alles Tugenden, die wir bei deutschen (bzw. deutschsprachigen) Großschriftstellern -- mit Ausnahme Thomas Bernhards -- vergeblich suchen.
Die vielen Überraschungen und Pointen werden, wie bei jedem guten Krimi, der dieser Roman auch ist, hier natürlich nicht verraten. --DTH
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
ein vielschichtiges Buch,
Rezension bezieht sich auf: Die Prozedur (Taschenbuch)
"Die Prozedur" ist ein erstaunliches Werk. Erstaunlich vorallem deshalb, weil Mulisch es souverän schafft, eine Geschichte zu erzählen, die bei erster Betrachtung eigentlich langweilig klingt, dann aber eine Fülle an Hintergedanken und eigenständigen Geschichten in der Handlung beinhaltet.So wird einem Leser mit einigen Vorkenntnissen auffallen, dass Mulisch sich häufig Szenen oder Handlungsaspekten bekannter Bücher wie "Der Tod in Venedig" oder auch "Homo Faber" bedient und seine Hauptfigur Victor Werker in gewisser Weise zu einem modernen Gustav Aschenbach macht, dessen Leben in einer tiefen Krise steckt. Einfach ist "Die Prozedur" sich nicht zu lesen- dafür sorgt Mulisch mit jüdischer Mystik, Genetik und viel Symbolik. Kann man sich selbst jedoch etwas dafür begeistern, so lässt einem das Schicksal Victor Werkers nicht mehr los. Fazit: "Die Prozedur" ist ein wunderschönes Buch, das sich aber dem Leser erst mit einem gewissen "Vorwissen" völlig erschließt. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein intelligentes Meisterwerk,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die Prozedur (Taschenbuch)
Zu Beginn auf wenigen Seiten grundsätzliches über Literatur, Irrtümer in der Schöpfungsgeschichte und andere Einsichten. Dann beginnt eine geruhsame Einführung eines Mannes, aber nur sehr kurz. Dann, ebenfalls auf wenigen Seiten ein Szenario von atemberaubender Fantasie über einen Rabbi, dem befohlen wird, einen Golem zu erschaffen.Ein atemloser Einstieg als würde der Leser an der Findung der Geschichte unmittelbar teilhaben. Und dann beginnt sie, die Geschichte über einen Wissenschaftler, der eine große Entdeckung gemacht und damit als Nobelpreiskandidat gehandelt wird. Dieser hochinteressante Mensch schreibt Briefe an seine Tochter, berührende intelligente Briefe, in denen er sich- und ihr das Leben erklärt, das Scheitern seiner Ehe, seine Karriere. Als nüchterner Kontrast immer wieder Einsichten übr die Physik und scharfsichtige Beobachtungen der Welt im Allgemeinen. Trotz der wenigen Seiten läßt sich der Roman Zeit, so wie der Protagonist Zeit braucht, um zu Einsichten zu kommen und diese zu Papier zu bringen. Während sich von Brief zu Brief mehr Puzzlesteine der tief berührenden Geschichte zusammenfügen, ändert sich die Atmosphäre. Immer surrealer und traumhafter werden die Geschehnisse, immer mehr drängen die Ereignisse auf das unvermeidliche Finale zu (das zu verraten wäre ein Frevel). Für mich ist dieses eines der besten bücher der letzten Zeit, das mich vollends in seine Geschichte hineingezogen hat, und nach dessen Ende ich einen ganzen Tag wie benommen war. Uneingeschränkt empfehlenswert. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Hohe Erzählkunst, aber sperrig,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die Prozedur (Taschenbuch)
Bevor uns Mulisch mit der amüsant-verstrickt-mysteriösen Geschichte des Biologen Viktor Werker unterhält, sind zwei Exkurse notwendig, einer zum Thema Schreiben und ein weiterer ins frühe Mittelalter, als ein Rabbi von seinem Herrscher genötigt wird, einen Golem zu schaffen, um als Gegenleistung bessere Lebensbedingungen im jüdischen Ghetto zu bekommen. Es geht, ahnen wir, um die Macht der Worte, der Schrift (auch Gene setzen sich aus Buchstabenfolgen zusammen, mehr oder weniger), den Schöpfungsprozeß. Wie etwas später in "Siegfried" macht sich Mulisch Gedanken darüber, inwieweit Erzählung und Erzähler voneinander trennbar sind, inwieweit eine Erzählung auch den Erzähler überrascht, denn das Ergebnis kann kein Schriftsteller wirklich vorahnen. Was ist das Rezept - und wann entsteht es?Der Biologe Werker hat Leben geschaffen, aus Kristallen, und auch der Golem ist aus Lehm entstanden. In Briefen an seine nie geborene Tochter deutet Werker die metaphysischen Verstrickungen an, plaudert aus seinem Leben, ironisch-selbstreflektiert; eigentlicher Adressat ist die eigene Exfrau, die ihn verlassen hat, weil er im Moment des Konfliktes nicht an ihrer Seite war. Zum Schluß, nach drei sehr vergnüglichen imaginären Telefondialogen mit der Ehemaligen, der er geschworen hatte, sie niemals anzurufen, wird Werker unfreiwilliger Zeuge eines telefonischen Mordkomplottes, dem er selbst zum Opfer fallen wird. Das Buch schließt mit dem Moment der Erkenntnis; Werker, der selbst Leben geschaffen hat, erkennt im letzten Augenblick die wahre Größe des Seins, die Idee, das Rezept. Mulisch erzählt, als würde er sich eigentlich keine Leser wünschen, als wäre er es selbst, mit dem er plaudert. Die sperrige Struktur des Buches, das sich konventionellen Erzählformen redlich verweigert, mutet an, als wären ein paar Ideen zum Thema - wie immer kenntnisreich, und erfrischenderweise nie belehrend - zu einem Manuskript verklappt worden. Die Geschichte Werkers, dicht an einer puren Personenskizze, fesselt alleine aufgrund der hohen Erzählkunst Mulischs; einem anderen Autor hätte man die Figur, den Hintergrund, die Geschehnisse nicht abgenommen - und übrigens auch nicht den Kontext. Der angedeutet bleibt und als Thema über allem schwebt, auch der Begegung mit den drei "Milchbrüdern", den Drillingen, die von der Milch von Werkers Mutter genährt worden sind. Auch diese Gelegenheit nutzt Mulisch für ganz eigene Gedanken. Ein erstaunliches, etwas unkomfortables Buch über Schöpfung, Abstammung und Glauben, das am Ende mehr Fragen offen läßt, als es beantwortet - fast schon tautologisch, ist ja schließlich von Mulisch. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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