Im ersten Drittel des Buches war ich noch guter Dinge. Das Setting, die Handlung und die Entwicklung der handelnden Personen fand ich durchaus interessant und fesselnd. Allmählich kam ich mir aber hingehalten vor. Als dann Suzanne Frank "im Ernst" die gesammelten biblischen Plagen vor dem Auszug der Israeliten aus Ägypten durchleiert, war ich zunehmend genervt. Alles soll sich wörtlich so abgespielt haben wie im alten Testament beschrieben, mit Ausnahme eines kleinen Lapsus: Die Bibel hat sich im Pharao geirrt. Wie das passieren konnte, wo doch auf der anderen Seite sogar die Rede von Moses an den Pharao wörtlich erhalten geblieben sein soll, bleibt unerklärt. Auch scheint Ägypten die Ungeheuerlichkeiten bemerkenswert gefaßt über sich ergehen zu lassen. Suzanne Frank ist da so sehr mit den Problemchen ihrer Helden beschäftigt, daß das gemeine Volk mit seinen Problemen nur in Nebensätzen vorzukommen scheint.
Nicht daß ich falsch verstanden werde: Ich erwarte keine historische Korrektheit von einem Roman. Wenn Suzanne Frank nicht offensichtlich selbst um Korrektheit bemüht gewesen wäre (sie geht sogar in einem kleinen Anhang darauf ein), dann hätte ich das gerne als Fantasy geschluckt. Aber so wie's ist, merkt man die Absicht und ist verstimmt. Die Absicht scheint hier schon in die Nähe religiöser Propaganda zu gehen. Da sind die Liebenden gerade dem Untergang entgangen, als das durch Moses geteilte Meer die ägyptische Streitmacht verschlungen hat, und es findet nicht einmal ein Dialog darüber statt. Stattdessen gehen sich die Beiden auf die Nerven, weil sie Dominanzprobleme miteinander haben. Das soll ich abkaufen? Die beiden sind Zeitreisende, die aus aufgeklärten Zeiten kommen, herrgottnochmal! Die glauben biblische Wundergeschichten nicht wörtlich und wenn's dann doch passiert, dann gibt's was zu bereden!
Kommt noch dazu, daß auf diese Weise zwischen den Romanzeilen eine klare Wertung der beiden konkurrierenden Religionen durchschimmert: Die Ägyptischen Zauberer sind mächtig, aber Moses kann's besser. Die ägyptischen Götter werden angebetet, aber sie tun nichts. Der israelitische Gott ist mächtig, und er greift ein. Dabei ist er sogar noch gütig und gerecht, denn die Ägypter (respektive der Pharao) sind ja selber schuld, und der israelitische Gott vernichtet sie ja auch nicht, sondern straft sie nur. Warum es gerecht und gütig sein soll, der Schuld des Pharaos wegen abertausende seiner (unschuldigen) Untertanen niederzumetzeln, statt dem Pharao selbst den Hintern zu versohlen, bleibt natürlich unbeantwortet.
Diese unkritische Übernahme des alttestamentarischen Überlegenheitswahns der Israeliten ist für mich das enttäuschendste an diesem Buch. Aber vielleicht denke ich ja auch nur zu viel. Schließlich soll der Roman ja leichte Kost sein...