Bei allem, was den Hauptdarstellern bei den Dreharbeiten abverlangt wurde, kann man verstehen, dass sie irgendwann genug hatten, immerhin haben sie die meisten Stunts selbst durchgeführt und dabei sicher etliche Blessuren davon getragen. Wenngleich zumindest Lewis Collins zu dieser Zeit ein ebenso wilder Hund gewesen sein dürfte wie der von ihm gespielte Bodie. Im Booklet zur 2. Box war ja nachzulesen, dass er sich einmal bei einem privaten Fallschirmsprung am Fußgelenk verletzt hatte und so die Dreharbeiten für mehrere Wochen unterbrochen werden mussten, obwohl es ihm vertraglich eigentlich untersagt war, gefährliche Sportarten auszuüben. Jaja, genau wie sein Charakter Bodie, immer gegen die Vorschriften!
Martin Shaw meinte überhaupt, sie wären sich vorgekommen wie Reserve-James-Bonds. Bei allem Respekt muss ich hier heftigst widersprechen. Bei James Bond bin ich nicht gerührt, sondern es schüttelt mich höchstens, weil er mir zu glatt, zu aufgesetzt und demzufolge zu arrogant ist. Die Profis dagegen sind viel bodenständiger, zeigen menschliche Züge, dürfen schon einmal Fehler machen und kleine Marotten an den Tag legen. Bei der ganzen Action wird aber trotzdem nicht auf die feine britische Art vergessen. So gab es eine Folge, in der ein Schüler seinen Geiselnehmer ganz höflich mit "Sir" anspricht, worauf dieser sichtlich sehr angetan ist.
Was bei näherer Betrachtung der Serie noch auffällt: Bodie und Doyle liefern sich die heftigsten Schreiduelle mit ihrem Chef Cowley immer dann, wenn der jeweils andere in Gefahr ist, es ist also ihre Art, Dampf abzulassen und mit der Sorge um ihren Partner fertig zu werden. Wieder ein absolut menschlicher Aspekt.
Auch wenn die letzten Folgen leichte Ermüdungserscheinungen zeigen und den Esprit der ersten Staffeln in weiten Teilen missen lassen, so hat sich Ray Doyle vom Idealisten fast zum Zyniker entwickelt, sind doch einige gute Folgen und Szenen dabei. Ebenfalls eher ungewöhnlich ist, dass Bodie es schafft sich in "Fremde Stimmen/Cry Wolf" eine ganze Folge lang mit einer Frau zu unterhalten ohne mit ihr in der horizontalen zu landen, obwohl er doch in einer der Anfangsfolgen einmal meint alle Frauen wären süß, solange sie unter 50, warmherzig und willig sind. Nachdem die betreffende Dame definitiv unter 50 ist, muss wohl eine der anderen beiden Voraussetzungen gefehlt haben. Wenn überhaupt, so darf in dieser Staffel eher Ray Doyle eine Freundin abschleppen. Sollte das ein Bestechungsversuch gewesen sein, Martin Shaw doch noch zum Weitermachen zu überreden? Wobei man die Ladies angesichts des schnuckeligen Burschen durchaus verstehen kann, denn sollte Martin seine Haare wirklich aus Protest gegen die Show wachsen lassen haben, so ist dieser Schuss ordentlich nach hinten losgegangen.
Die absolut beste Folge auf dieser Box ist "Die Feinde des Löwen/The Ojuka Situation". Sie enthält alles was ein Profis-Fan sich wünschen kann: Spannung, Spaß und eine kleine Überraschung zum Schluss. Unterhaltsam ist auch "Der Exporteur/It's only a beautiful picture", wo Doyle undercover als Dorfpolizist in einem Kaff ermittelt, wobei er allerdings zu leichten Übertreibungen neigt. So wie er sich aufführt bezweifle ich, dass er länger als 3 Stunden bei der britischen Polizei geduldet worden wäre.
Ray Doyles Wutausbrüche muss man sich unbedingt im englischen Original ansehen, sie sind ebenso einzigartig wie seine Lacher und auch Major Cowleys schottischer Akzent geht in der Synchronisation leider verloren. Für die etwas lieblose Gestaltung von Universal, die ein Fanherz bluten lässt (fehlende Untertitel in englisch, teilweise arg verschnittene Szenen, wenig fantasievolles Benutzermenü etc.), sollte man eigentlich Abzüge machen, aber das haben "Die Profis" einfach nicht verdient, daher auch hier wieder die Höchstnote.