Francesco Borromini, der verschlossene "Steinmetz" aus dem Luganer Norden Italiens und der quecksilbrige Neapolitaner Giovanni Lorenzo Bernini, das waren zwei wie Feuer und Wasser. Rom quillt über von Anekdoten über die beiden größten Baumeister des Barock. Kaum ein Platz der nicht mit einer Legende aufwarten kann, denn die zwei haben das Antlitz Roms nach dem Dreißigjährigen Krieg und dem Sieg des Katholizismus gründlichst verändert. Eigentlich kann man sich das Rom, das einmal davor existiert hat, gar nicht mehr vorstellen.
Bernini, dem eitlen Pfau, fliegen die Herzen im Sturm zu, während er schwindelerregende künstlerische Höhen erklimmt, heftig protegiert von Papst Urban VIII aus dem Hause Barberini. Schon bald aber merkt er, dass er halt Künstler ist, und kein großer Mathematiker, und der "assistente" des Architekten/Bildhauers Carlo Maderno - Francesco Castelli (genannt Borromini) - läuft ihm da just im rechten Augenblick über den Weg. Gemeinsam errichten sie den gewaltigen, bronzenen Altaraufbau über dem Petersgrab. Was eigentlich der Start für eine grandiose Karriere werden sollte, geriet für Borromini aber mehr und mehr zum Fiasko weil der maßlos eitle Bernini es versteht, sich und nur sich selbst ins rechte Licht zu rücken, aber dabei vergisst, dass er wohl ohne die Hilfe seines "assistente" nur die Hälfte wert wäre. Zu allem Unglück verlieben sie sich auch noch in dieselbe Frau - die englische Principessa - und das Desaster ist perfekt.
Peter Prange spürt dem Leben der beiden großen Architekten so aufmerksam nach, dass jeder Kunstliebhaber hier noch was lernen kann. Er beschreibt die beiden so unterschiedlichen Charaktere so präzise, dass man recht deutlich deren Seelenlage nachvollziehen kann. Man kann Bernini nicht so richtig böse sein... und man leidet mit dem düsteren Borromini mit, bis zu seinem bitteren Ende. Trotz der fiktiven Rahmenhandlung bleibt der Autor nahe an der Wahrheit. Über den eigentlichen Grund des Zerwürfnisses der beiden Künstler ist nicht viel bekannt, was Raum für Spekulationen lässt. Ob es nun tatsächlich ein weiblicher Grund war, oder die Tatsache, dass Bernini Borrominis Ideen als eigene verkauft hat (ich tendiere zu letzterem), ist letztendlich egal.
"Die Principessa" taugt zu einer wirklich guten Künstlerbiographie, weil es erstens blendend recherchiert ist; zweitens, weil Prange einen herzerfrischenden Schreibstil hat, der keine Sekunde Langeweile aufkommen lässt. Das Buch hat mich völlig überzeugt und es wird nicht mein letztes des Autors gewesen sein.