Zunächst eins vorweg:
Hier wird oft kritisiert, dass diese neue Geschichte eine Enttäuschung wäre im Vergleich zur Sevenwaters-Trilogie.
Ich frage hier ganz deutlich: Warum muss man ihre eigenen Geschichten als Vergleich und Bewertung heranziehen? Warum betrachtet man die Geschichten nicht einzeln für sich, wenn es um wirkliche Bewertungen geht? Und, was noch viel wichtiger ist, warum versucht man 2 Geschichten miteinander zu vergleichen, die grundauf verschieden sind?!
Diese Geschichte ist alles andere als eine Enttäuschung, sie ist nur weniger romantisch und "perfekt" als die Sevenwaters-Trilogie. Hier sind Charaktere vorhanden, die realistischer kaum sein könnten (aber genau deswegen den Zorn mancher Leser/innen entfachen, wie ich leider feststellen muss). Ich möchte nur kurz auf manche Kritikpunkte eingehen:
Somerled, der zu böse und ohne Charisma ist. Natürlich hat er Charisma, welches jedoch dominiert wird von seiner Taktik. Anfangs noch versucht er über Mitleid und falsche Selbstaufopferung zu punkten, während er später mit einer von Angst geprägten Art herrscht. Unrealistisch? Keineswegs.. sogar heutzutage gibt es solche Menschen und solches Vorgehen öfter, als man glauben mag.
Eyvind, der zu tolpatschig sein soll... mal ehrlich, was sollen Menschen in Fantasygeschichten sein? Perfekt? Eyvind mag vielleicht tolpatschig sein (in "intellektueller" Art und Weise), was aber widerspricht dieser Eigenschaft? Hier handelt es sich um Wikinger, um Krieger durch und durch. In meiner Vorstellung von Kriegern sind diese keine Leuchten, die dir die Funktionsweise der Welt erklären können, sondern einfach geniale Kämpfer, die wissen, was sie brauchen.
Darüber hinaus unterstellt man Eyvind hier Blindheit gegenüber Somerled. Ja, ich habe mich auch geärgert, dass er immer wieder auf ihn hereinfällt, ABER:
Sie sind Brüder, sie waren lange Zeit gegenseitige Freunde und sind zusammen aufgewachsen. Es ist keinesfalls unrealistisch, dass Eyvind lange braucht, um diesen Mantel des Vertrauens abzulegen und beginnt, wirklich zu begreifen.
Unabhängig von den restlichen Kritiken.. die Geschichte selbst ist wieder wunderbar zu lesen, hat die gewohnte sprachliche Qualität und bietet einige Stunden bester Fantasy.
Das einzige, was mir etwas mißfällt (was aber mit dem Buch und Marilliers Fähigkeiten rein gar nichts zu tun hat) ist der mir unverständliche Wechsel zum Heyne-Verlag, den ich persönlich im Fantasybereich weniger mag. Immerhin hat der Heyne-Verlag dadurch wenigstens eine sprachlich herausragende Autorin gewonnen, da ich von den restlichen Autoren, die ich gelesen habe, sprachlich nicht viel halte.