Pressestimmen
"Wie eine New Yorker Historikerin das Knäuel aus Lust, Nazi-Diktatur und Prüderie entwirrt und dabei eine ins Sexuelle verschobene Schuld-Debatte freilegt: Ein Buch, das keine Wünsche offen lässt außer dem, es möge zu gegebener Zeit mit der gleichen Akribie, dem gleichen intellektuellen Engagement fortgeschrieben werden." (
Literaturen )
"Die Lebhaftigkeit ihrer Diktion, das undogmatische Eingeständnis, dass viele Forschungsfragen offen bleiben, dass an diesem Thema alles vielschichtig ist und übrigens auch die unzeitgemäße Symphatie für die 68er, deren Blindheiten Herzog dennoch scharf kritisiert, könnten diese Lektüre fast angenehm machen. Nur fast - denn die Beklemmungen über die nationalsozialistische Biopolitik und ihre Folgen verlässt einem beim Lesen nicht." (
Die Zeit )
"Wie Lust und Moral zu machtvollen Instrumenten der politischen Auseinandersetzung wurden, zeigt Dagmar Herzog in ihrem vor kurzem im Siedler Verlag erschienenen Buch "Die Politisierung der Lust". Ihre Sittengeschichte Deutschlands von der Weimarer Republik bis in die Gegenwart illustriert sehr anschaulich, dass es letztlich immer um mehr und anderes ging, wenn vordergründig über Sexualität gesprochen wurde." (
ARD Kulturweltspiegel )
Kurzbeschreibung
Deutsche Triebe – die Verstrickung von Sexualität und Politik
Eine ebenso provokante wie überzeugende und gut lesbare Untersuchung des gesellschaftlichen Umgangs mit Sexualität in Deutschland. Im Zentrum stehen der Nationalsozialismus sowie der Aufbruch von 1968. Diese bahnbrechende Studie steckt voller Überraschungen: Dagmar Herzog zeigt, dass die Betrachtung der Wechselwirkungen zwischen Politik und Sexualität zentrale Fragen der deutschen Geschichte neu zu beleuchten vermag.
Wie hängen Empfängnisverhütung, Pornografie, Sexualmoral, Homo- und Heterosexualität mit Antisemitismus und Nationalsozialismus zusammen, mit der Verarbeitung der Niederlage von 1945, der Beziehung von Kirche und Staat in der Nachkriegszeit, der Studentenrevolte in der BRD oder der wechselvollen Beziehung zwischen Regime und Bevölkerung in vier Jahrzehnten DDR? Kurz: Welche neuen Erkenntnisse für wichtige Fragen der deutschen Geschichte lassen sich durch einen genauen Blick auf den Umgang mit Sexualität gewinnen?
Die Antwort gibt Dagmar Herzog in diesem Buch. In einer umfassenden Sexualgeschichte Deutschlands von der Weimarer Republik bis zur Gegenwart zeichnet sie nach, wie Lust und Moral im zwanzigsten Jahrhundert zu machtvollen Instrumenten der politischen Auseinandersetzung wurden. Pointiert und mit überraschenden Ergebnissen zeigt Herzog, wie und warum sich ausgerechnet der Bereich der Sexualität zu einem Hauptschauplatz der Debatte über die deutsche Vergangenheit, über Schuld und Massenmord, über Moral und Ethik entwickelte.
Lebhaft und anschaulich macht »Die Politisierung der Lust« einem breiten Publikum deutlich, warum eine politische Geschichte Deutschlands ohne die Einbeziehung von Sexualität unvollständig ist.