Aus der Amazon.de-Redaktion
Die Politiker ist ein ebenso persönliches wie engagiertes Plädoyer gegen das Idiotentum. Als "idiotes" nämlich galten in den Zeiten des Aristoteles all jene, die meinten, sich einzig um ihre Privatangelegenheiten kümmern zu können, während sie die Anliegen der Allgemeinheit getrost anderen überließen. "Als moralische Pflicht und höchster Wert für den Einzelnen galt, sich für die Polis einzusetzen." Von diesem Leitbild haben wir uns heute weit entfernt.
Wer über diejenigen, die sich im politischen Geschäft die Hände schmutzig machen, nur verächtlich den Kopf schüttelt, kann sich breiter Zustimmung sicher sein. Und umgekehrt macht sich jeder verdächtig, der sich selbst offen politisch engagiert. "Das Ansehen der Politiker ist ein Desaster", bringt Hermann Scheer das Dilemma auf den Punkt, das für das Gemeinwesen immer offenkundiger ein erhebliches Problem nach sich zieht: eine auf die Dauer insgesamt immer negativere Auswahl des politischen Personals. Hier tut sich in der Tat ein Teufelskreis auf, der uns irgendwann alle noch teuer zu stehen kommen wird.
Hermann Scheer ist selbst Politiker. Einer, dem es um das Allgemeinwohl bitter Ernst ist und der nicht nur mit hohem Einsatz für konkrete politische Inhalte streitet, sondern ebenso dafür, das Politische gegen den Zugriff organisierter Partikularinteressen zu verteidigen. Dazu bedarf die Politik einer Frischzellenkur. Denn in der Tat: "Larmoyanz und Frustration helfen niemandem weiter." Eine sehr aufschlussreiche und auch Mut machende Lektüre für alle, die zu Recht daran zweifeln, dass wir es uns leisten können, die Politik denen zu überlassen, über die wir uns doch fortwährend mokieren. --Andreas Vierecke
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Buchnotiz zu : Die Tageszeitung, 18.10.2003
Mathias Greffrath findet, dass Hermann Scheer tief stapelt: Sein Buch sei "nichts weniger als ein kleines Lehrbuch vom politischen Handeln in den Strukturen, wie sie nun einmal sind". Es komme nämlich, argumentiert Scheer, nach wie vor auf die Parteien und auf das Parlament an - trotz aller Kritik, die auch er nicht zurückhält. Scheer, informiert Greffrath, diagnostiziert eine Krise der parlamentarischen Demokratie, hervorgebracht zum einen durch die "Verdampfung nationaler Geltungsmacht" zu Gunsten der WTO und die "absolutistische" europäische Wirtschaftspolitik der EU-Kommission, zum anderen dadurch, dass die Gesellschaft "ihre Kräfte delegiert" habe- die Basis der parlamentarischen Vertretung in der Gemeinschaft souveräner und politisch handelnder Bürger fehle. Was muss also passieren? Eine "Kulturrevolution" - im Geiste des Grundgesetzes.
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Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 06.10.2003
Cathrin Kahlweit ist in ihrer ausführlichen Besprechung zwischen einer großen Sympathie für dieses Buch und dessen Autor einerseits und ihrer Einsicht in die Schwächen beider andererseits hin- und hergerissen. So freut sie sich zunächst, dass der SPD-Bundestagsabgeordnete Scheer auch in diesem Buch wieder einmal zeige, dass er "ein wenig anders ist als andere Politiker". Außerdem habe er ein "spannendes Buch" vorgelegt, das "historisch fundiert" und "intelligent strukturiert" sei. Doch im nächsten Satz folgt bereits die erste wichtige Einschränkung: Scheer macht es sich "bisweilen zu einfach", findet Kahlweit. Später folgt eine weitere: Über weite Strecken sei das Buch - mit Blick auf Titel und Thema - zudem eine "Mogelpackung", denn der SPD-Linke und Globalisierungsgegner Scheer arbeite sich weniger an den Politikern als an der Globalisierung und ihren Folgen für Märkte und Gesellschaften ab. Die Politiker selbst verteidige er gegen die von immer mehr Seiten vorgetragene Kritik. Gefallen hat der Rezensentin dabei unter anderem, wie Scheer an einer ganzen Reihe von Beispielen belege, dass hier noch immer die aus einer unseligen Tradition stammende Unterstellung fortlebe, dass Deutschland, wie die Rezensentin Scheer paraphrasiert, "ohne Parteien in besseren Händen wäre und volksnaher regiert würde". Aber Scheer sieht auch bei den Politikern ein Problem, berichtet Kahlweit, er warne sie vor "Selbstentmachtung" und fordere eine "Wiederbelebung der 'Ideale' politischen Handelns" - was die Rezensentin wiederum offenbar nicht so recht zu überzeugen vermochte, schließlich seien Ideale, wie sie schreibt, "nicht dekretierbar".
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