Aus der Amazon.de-Redaktion
Ball wollte nun "die Erblast einer Familie ehemaliger Sklavenhalter" aufbereiten, indem er gerade das Schicksal ihrer Sklaven betrachtete, dieser brutal ausgebeuteten, aber nahezu nirgendwo in der Ball-Geschichte besonders erwähnten, Verschleppten. Er machte sich auf die Suche nach Nachfahren der damaligen Sklavenfamilien und befragte sie zu Familiengeschichte und Sklaverei. Zusammen mit Archivunterlagen und eigenen Familienüberlieferungen setzt Ball daraus ein zu Herzen gehendes Bild der Sklaverei und ihrer Hintergründe zusammen. Die grauenvollen Umstände der Schiffspassagen, einmal in den englischen Kolonien Nordamerikas angekommen, die Drohung erbarmungsloser Strafen bis hin zu Kastration oder Tod -- all dies läßt Ball erkennen: "Meine Kindheitsidylle hat ihre Maske abgelegt. Der Tod ist ein Meister aus England".
Speziell den europäischen Lesern, denen ja meist der direkte Bezug zur nordamerikanischen Sklaverei fehlt, dürfte der menschliche Erzählstil Balls ein tragisches, historisches Kapitel intensiver vermitteln, als die üblichen Geschichtsbücher. Überhaupt ist die menschliche Seite, die Ball in seiner Chronik betont, bei einer Thematik wie der Sklaverei einfach geboten. Man darf nie den Fehler machen, Sklaven als gesichtslose "historische Masse" zu sehen, denn Sklaverei ist die Summe unendlich vieler Einzelschicksale, von denen Ball hier einige vorstellt.--Joachim Hohwieler
Kurzbeschreibung
Doch Edward Ball blickt über seine eigene Familie hinaus: An die hunderttausend Nachfahren ehemaliger Sklaven der Familie Ball dürfte es heute in den Vereinigten Staaten geben. Ball hat einige von ihnen aufgespürt und das Schweigen, das für Generationen aufrechterhalten wurde, gebrochen. Nicht nur ist der Autor mit einigen von ihnen blutsverwandt - die Herren der Balls zeugten über die Jahrhunderte hinweg zahlreiche illegitime Kinder mit ihren Sklavinnen -, er und die Abkömmlinge der Sklaven sind Teil ein und derselben Familien- und Nationalgeschichte. Nach generationenlanger Trennung kommt es zu bewegenden Begegnungen. Die Folgen der Sklaverei, ihre Auswirkungen auf das Leben und die Erinnerungen von Schwarzen und Weißen werden nachvollziehbar anhand der ganz individuellen Biographien von lebenden Menschen - ein Mikrokosmos des amerikanischen Traumas der Sklaverei, eine Geschichte von Menschen, die ihrer gemeinsamen Vergangenheit nicht entrinnen können.