Dava Sobel schildert die acht bis neun Planeten der Sonne - auf die Herabstufung Plutos geht sie im Nachwort gesondert ein, da sie Mitglied des Ausschusses für Planetendefinition ist - auf unkonventionelle Weise, indem sie Naturwissenschaft und Mythos, Wissenschaftshistorie und Astrologie miteinander verbindet, allerdings, ohne die einzelnen Bereiche zu einem dubiosen Brei zu vermischen. Mit Esoterik und New Age haben ihre Ausführungen also nichts zu tun, auch wenn die Autorin den Blick des Lesers zuweilen von der Wissenschaft fort und auf ästhetische Aspekte hinlenkt. Bei aller Sachlichkeit liegt dem Buch ein tiefer, immer spürbarer Respekt vor der Schönheit des Kosmos zugrunde.
Die Kapitel sind sämtlich individuell gestaltet. So schreibt Caroline Herschel, Schwester und Mitarbeiterin von Sir William Herschel, im Kapitel über Uranus und Saturn einen fiktiven Brief an die Kometenentdeckerin Maria Mitchell, eine Astronomin (!) des 19. Jahrhunderts. Das Marskapitel ist gewissermaßen aus der Perspektive eines 1984 entdeckten, besonders interessanten Marsmeteoriten verfasst, der in der Antarktis entdeckt wurde. Und Venus wird - natürlich - intensiv unter dem Gesichtspunkt der Schönheit betrachtet. Das Buch ist in einem lebendigen Stil verfasst, zugleich versteht es die Autorin, astronomisches Wissen anschaulich und leicht verständlich zu vermitteln. Wer nicht mit allen Begriffen zurechtkommt, wird im Glossar fündig, und für besonders Interessierte gibt es am Ende des Buchs zu jedem Kapitel noch detailliertere Informationen.
Der Leser lernt die Planeten aus unterschiedlichsten Blickwinkeln kennen, so, wie unsere Vorfahren in den frühen Hochkulturen, der Antike und dem Mittelalter sie sahen, und so, wie hochmoderne Technik sie uns darstellt und interpretiert. Zwar enthält das Buch keine Abbildungen, doch dank der präzisen Schilderung sieht der Leser die Planeten und Details ihrer Oberfläche, Atmosphäre oder Ringe regelrecht vor sich, insbesondere, wenn er die neueren Missionen zum Mars und zu den Gasplaneten verfolgt hat und ihm die entsprechenden Bilder noch vertraut sind.
Ein sehr empfehlenswertes Buch über die Planeten, in seiner Anschaulichkeit beinahe ein Reiseführer, das sich nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Jugendliche eignet und eine gekonnte Mischung aus Feierabendlektüre und Sachbuch darstellt.