Der britische Komponist Gustav Holst (1874-1934) ist heute hinlänglich unbekannt und schon zu Lebzeiten wurde er oftmals einzig und allein auf seine Orchestersuite "The Planets" reduziert. In diesem siebenteiligen Zyklus befasst er sich mit den Planeten - außer der Erde - unseres Sonnensystems und ordnet ihnen mythische Eigenschaften zu. Zeitlebens wehrte sich Holst dagegen, dass seine Orchestersuite zur profanen Untermalung von Filmen verwendet würde - erfolglos. Auch wir heutigen Hörer dürften wohl als allererstes "Star Wars" und Gefolge mit Gustav Holst und seinen "Planets" assoziieren.
Die Suite eröffnet mit dem aggressiven, marschartigen Mars, den Holst als "the Bringer of War" charakterisiert. Schmerzhaft intensiv fordert der Komponist den Hörer bereits so früh innerhalb des Werkes.
Ruhe spendet hingegen die sanfte Venus, "the Bringer of Peace". Hier zelebriert Holst mit dem Hörer einen zarten, pittoresken Reigen verschiedener Melodiebögen, wobei er das große Orchester hier streckenweise beinahe kammermusikalisch einsetzt, um im nächsten Moment wieder etliche Akzente vermittels des Gros' des Orchester zu setzen.
Flink verrauscht "the winged Messenger" Merkur. Nun folgt der bekannteste Teil des Stückes: "Jupiter, the Bringer of Jollity". Die ausgelassene Freude dieses Satzes mündet zweimal in einen majestätischen, hehren Abschnitt, der fesselt und dem geneigten Hörer die Haare zu Berge stehen lässt.
Das ruhende Zentrum des Werkes ist der fünfte Teil, in dem der britische Tonsetzer Saturn als "the Bringer of old Age" imaginiert. Im Anschluss daran folgt der Teil, der den höchsten Grad an Komplexität aufweist: "Uranus, the Magician". Schnelle, thematisch schwierige Passagen wechseln sich mit langsamen, schlichten Sequenzen ab.
Zum Abschluss stellt Holst seine Vorstellungen vom mystischen Neptun dar. Nach einer mäßig langsamen Einleitung folgt ein geheimnisvolles, zum Ende hin versiegendes Allegretto. Der Komponist setzt hier einen wortlosen Chor ein, der Sirenen gleich im Hintergrund erklingt.
Herbert von Karajan war ein Meister in der Aufführung spätromantischer Orchesterwerke. Seine Einspielungen von Sinfonien von Mahler oder sinfonischer Dichtungen von Strauss legen umfassend Zeugnis darüber ab. Tatsächlich ist auch die vorliegende Einspielung von 1981 mit den Berliner Philharmonikern und dem RIAS Kammerchor ein diskographischer Hochgenuss - und das nicht nur wegen der hervorragenden Aufnahmequalität.
Karajans Dirigat ist farbenreich und stets differenziert. Er setzt treffsichere Akzente und erzeugt damit genügend Kontraste, um die innere Spannung der Musik aufrecht zu erhalten. Die brillant aufspielenden Berliner setzen das ausgezeichnet um, musizieren stets transparent und bieten jeden Teil der Suite mit derselben Präzision und Spielfreude dar.
Fazit: Zugegebenermaßen gibt es nicht allzu viele Einspielungen der "Planets". Dennoch ist die vorliegende die meines Wissens beste weil fesselndste und zwingendste.