Allgemeiner Eindruck: Dieses Buch ist ein idealer Einstieg, um die Piratenpartei kennenzulernen. Leute, die diese Partei schon ein bischen kennen, können hier genauso neue Dinge erfahren wie solche, die erst zum ersten Mal etwas von Ihnen gehört haben. Nachdem die Protagonisten, Philosophie, Ursprünge, Geschichte und Zukunftschancen vorgestellt und erörtert wurden, kommt noch in einem langen Appendix, also Anhang, das Grundsatzprogramm der Piraten.
Mein subjektiver Eindruck sowie meine Meinung zu dieser Partei: Ich bin überrascht! Die Piraten sind zwar, wenn man dem Autor Martin Häusler folgen darf, sehr stark eine Internetpartei. Jedoch haben sie auch mehr zu bieten. Und ihre Sprengkraft wird sich vermutlich erst in einigen Monaten und Jahren zeigen.
Die Piratenpartei sind zwar eine der Freiheit. Sie als Nachfolger der FDP zu bezeichnen, kann aber wohl fälscher nicht sein. Während letztere vor allem eine Klientelpartei darstellen, die für den ungezügelten Durchmarsch des Turbokapitalismus stehen, sind die Piraten das genaue Gegenteil. Obwohl ihre unmittelbare Wurzeln eher bei der Internetbewegung des 20. und 21. Jahrhunderts zu finden sind, streben sie einen Zustand an, der eher in dem Buch "Utopia" von Thomas Morus zu finden ist. Jedenfalls sind bei Ihnen Freiheit und Gleichheit gleich wichtig. Sind aber ihre Einschätzung der politischen Lage sowie ihre Forderungen irgendwie "utopisch"? Mitnichten! So urteilt einer der Protagonisten der Berliner Abgeordneten der Piraten meiner Meinung nach ganz richtig, daß die etablierten Parteien FDP,CDU, SPD und Grüne 1. ihre Informationen alle von der Bertelsmannstiftung bekommen sowie 2. von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft gesteuert sind, dem Hauptlobbyorgan der deutschen Wirtschaft. Und daher kommt es warscheinlich auch, daß die Parteiprogramme dieser Turbokapitalisten sich kaum unterscheiden.
Und auch in folgendem Punkt sehe ich die Piratenpartei als eine des Realismus. Nach dem Scheitern des Nationalsozialismus und des Kommunismus ist es vor allem der baldige Zusammenbruch des Turbokapitalismus, der uns den nächsten Super-GAU bescheren wird. Und dieser ist zugleich auch der größte Feind von Freiheit und Gleichheit a la Piratenpartei.
Und wo stehen also die Piraten im politischen Spektrum? Sie selbst bezeichnen sich als weder rechts noch links in der Lobbykratie Deutschland. Bezogen auf den Turbokapitalistenblock aus CDU, FDP, SPD und Grüne sind sie als unideologische Partei dann aber doch eher links von denen anzusiedeln.
Was die Zukunft ihrer Partei betrifft, möchten aber einige aufgrund der kommenden gewaltigen Ereignisse und Erschütterungen lieber keine Prognosen machen. Es sei aber festgestellt, daß die Piraten sich auf die Zeit nach dem Crash vorbereiten, da selbst sie es nicht mehr verhindern können, daß die Lobbykraten und Turbokapitalisten der etablierten Parteien das System komplett an die Wand fahren.
Was mir an dem Buch fehlt, das ist vor allem, durch was sie sich von der Partei "Die Linke" abgrenzen sowie ihre Meinung zur Occupybewegung. Deswegen ein Punkt Abzug. Sonst bin ich aber mit dem Buch zufrieden. Ich glaube, die Piraten sind gekommen, um zu bleiben.