Die jüngere Filmgeschichte ist ja nicht gerade ein Festival großer, aufwendiger Piratenfilme. Erst der Megaerfolg der großartigen "Fluch der Karibik"-Reihe hat das Genre unter Zuhilfenahme einer ordentlichen Portion Fantasy wieder zu neuem Leben erweckt. Vor dem Hintergrund dieses Piraten-Hypes der Gegenwart blickt man fast ungläubig auf das Jahr 1995, als dieser großartig gemachte, aufwendige, humorvolle und abenteuerliche Piraten-Blockbuster zum Rohrkrepierer wurde...
"Cutthroat Island" kam wohl einfach zu früh. Heute könnte der Film ganz sicherlich im Fahrwasser von Johnny Depps Piratensaga Millionen Achtrealis-Münzen einfahren, doch 1995, als Science Fiction und futuristische Action die Lichtspielhäuser beherrschten, hatte Geena Davis mit diesem grandiosen Tiefseeabenteuer keine Chance. Dabei ist "Die Piratenbraut" der erste moderne Piratenfilm.
Ohne die Bedeutung der alten s/w-Klassiker von Errol Flynn vergessen zu wollen oder die eine oder andere witzige Produktion in den Jahrzehnten dazwischen unter den Teppich zu kehren, aber mit diesem Film hier beginnt tricktechnisch eine neue Ära, auf der Gore Verbinski mit seiner Piraten-Saga aufbauen konnte.
Auch der Soundtrack von John Debney gehört zum Besten, was die Karibik zu bieten hat und kann sich sogar mit den neuen Piraten-Scores Hans Zimmer & Co messen.
Freilich fehlen in diesem Film sämtliche (mir persönlich sehr wichtigen) Fantasy-Elemente der neuen Piraten-Trilogie und es fehlt natürlich ein Spaßvogel wie Jack Sparrow, aber davon abgesehen steht dieser Film an Stimmung und Abenteuerlichkeit den neuen Filmen an nichts nach. Renny Harlin's "Piratenbraut" ist mehr als nur ein "Vorfilm" für einen gelungenen Piratenmaraton sondern der erste wirklich große Piratenfilm der Blockbuster-Ära...nur leider fehlte ihm damals eben der Erfolg zum großen Durchbruch...
Sehenswertes Filmspektakel für jeden Piratenfan, der vieles von dem vorwegnimmt, was Gore Verbinski und Jerry Bruckheimer schließlich in der größten Piratenfilmsaga aller Zeiten vollendet haben...