Der Film ist schon sehr bemerkenswert und Unterhaltung auf höherem Niveau. Ich halte Schlingensief für ein ziemlich großes Köpfchen, sehr philosophisch, aber natürlich lag bei "so einem" Genie und Wahnsinn - letzteres ist vielleicht eine Prise übertrieben - nah beieinander. Eine Art Gegenpol zu Klaus Kinski vielleicht, jemand, der etwas mehr auf der klareren Seite lebte; grundsympathisch, mit Macken.
Seine Art, mit Behinderten Programm zu machen und dies zu erklären, gefiel. Seine Herzlichkeit, die er wohl eigentlich in sich trug, ging geradezu nahe. Und dass er persönliche Dinge wie das Sterben des Vaters oder - nach diesem Film - seine Krebserkrankung in den Mittelpunkt stellte, finde ich zunächst überhaupt nicht angreifbar.
Es wurde es aber dadurch, dass Schlingensief etwa das ernste Anliegen - ob man es nun teilt oder nicht - anderer mitunter völlig ignorierte. So zB als er Lea Rosh zum Holocaust-Mahnmal befragt, aber völlig uninteressiert an ihrer Antwort zu seinen Vorhalten ist (die ich im Übrigen teile - ich finde, dass Schulfahrten nach Dachau völliger Unsinn sind; zugleich meine ich, dass Gedenken und Symbole wichtig sind - sein (zunächst mE zutreffendes) Argument grenzt also Lea Rosh's Sichtweise nicht von vornherein aus, auch wenn man zur Geschichte der Entstehung des Denkmals sicherlich viel Kritik an Rosh anbringen kann).
Aber das sind Einzelfragen. Der Film hier ist schon ein kaskadiertes vielschichtiges Kunstwerk - man sieht die Entstehung der Talksessions, man sieht die Talksessions, man sieht eine Besprechung derselben, was selbst wieder ein Event ist, und schließlich sieht man diesen Film über das alles. Und - das lohnt sich.
Der Film ist, gerade was die Person Schlingensief angeht, auf jeden Fall ein wertvolles Vermächtnis, unbequem, kantig, aber toll.