Das Theaterstück 'Die Physiker' von Friedrich Dürrenmatt handelt von 3 Physikern, welche sich in einem Irrenhaus befinden; einem Herrn Beutler, der sich anscheinend für Newton hält (gespielt von Gustav Knuth), Herrn Ernesti, der denkt er sei Einstein (Kurt Erhardt) und Herrn Möbius (Wolfgang Kieling), welcher behauptet, König Salomon erscheine ihm im Traum.
Der Leser/Zuschauer erlebt die Geschichte zunächst aus dem Blickpunkt des Inspektors Richard Voss (Siegfried Lowitz), der erst kürzlich das Amt von seinem Vorgänger übernommen hat. Dieser wird in das Irrenhaus bestellt, da Ernesti eine Krankenschwester getötet hat. 3 Monate bevor die Geschichte spielt tötete Herr Beutler ebenfalls eine Krankenschwester, also bleibt zu hoffen, dass sich die Geschichte nicht wiederholt...
Die Leiterin der Irrenanstalt, Frl. von Zahnd (Therese Giehse) versucht nun im Laufe der Geschehnisse der Ursache für die Morde auf die Spur zu kommen.
Da es sich hier eigentlich um ein Theaterstück handelt, ist das Augenmerk stark auf die filmische Umsetzung gerichtet. Meiner Meinung nach sind die Umgebungen sehr authentisch ' mit einer Ausnahme, dem Aufenthaltsraum der Physiker. Dieser macht so ziemlich jede Vorstellung die man von Irrenhäusern hat zunichte. Die Zimmer der Insassen gehen von diesem Raum ab und sie können ein- und ausgehen wie sie möchten. Für mich persönlich erscheint es daher mehr wie betreutes Wohnen als wie ein Irrenhaus, doch dieses Urteil muss jeder selber fällen.
Das Spiel der Darstelle empfand ich als sehr authentisch und glaubhaft, besonders die Verrücktheit von Wolfgang Kieling. Folglich denke ich, dass die Besetzung für den Film sehr gut ausgewählt wurde, auch in Bezug auf das Aussehen, das Alter und die Stimmen.
Mein einziger etwas größerer Kritikpunkt liegt in der Kameraführung. Natürlich, der Film wurde im Jahr 1964 gedreht, man konnte noch nicht jede Szene beliebig oft wiederholen. Aber Missgeschicke wie z.B. dass sie Kamera an einer Blume, an der sie vorbeifährt, hängen bleibt und diese danach wackelt, ist etwas, dass bei einem guten Film möglichst nicht passieren darf.
Eine Besonderheit an dem Stück ist (abgesehen von den großartigen Schauspielern) die Inszenierung im allgemeinen. Mit gewissen Stilmitteln wie z.B. der Wiederholung ganzer Szenen, fehlender Hintergrundmusik und oftmals auch gar keine Geräusche wird die Verrücktheit des Irrenhauses in die Geschichte bzw. in den Film und somit auf den Zuschauer übertragen. Nach Ende des Filmes habe ich noch einige Tage später darüber nachgedacht, wieso alles so geschehen ist, wie es geschah, was ich bisher bei relativ wenigen Filmen erlebt habe.
Jemandem, der folglich gerne über Filme nachdenkt und sich für diesen auch Zeit nimmt, und auch mal an etwas anderem als der Hollywood-Action interessiert ist, wird dieser Film sicherlich gefallen.
~Sandra & Tina~