David Deutsch sagt manchmal in kurzen Sätzen derart atemberaubende Dinge, dass ich durch dieses Buch endgültig zur Auffassung gekommen bin, dass die moderne Wissenschaft die Esoterik mittlerweise in den Schatten stellt, und das meine ich keineswegs abwertend.
Ich sehe mich leider kaum in der Lage, auf Details einzugehen, abgesehen von der hier schon dargestellten Verteidigung der Viele-Welten- Theorie, die in ihrer letzten Konsequenz allein schon die wildesten Star-Trek-Dehbücher hinter sich lässt.
Wer nun allerdings denkt, dass Deutsch sich nur mit spekulativem Stoff beschäftigt, irrt sich, im Gegenteil hat er sich bemüht, ein zusammenhängendes Werk zu schaffen, was bei den Grundlagen, z.B. Erkenntnistheorie, beginnt und die Stränge allmählich zu einem runden Bild zusammenführt, was, wenn man dem folgen kann, wirklich zu einer neuartigen und fundierten Sicht der Wirklichkeit führen kann. Er führt dabei beispielsweise Poppers Philosphie mit der modernen Evolutionstheorie von Dawkins zusammen und versucht erfreulicherweise, eine Synthese der interessanten Theorien der letzten Zeit zu leisten.
Nebenbei streift er mal eben Killer-Themen wie die Widerlegung des Solipsismus, Wilensfreiheit, den versuchten Beweis, dass objektive Erkenntnis möglich ist usw., also so ziemlich alle Dinge, an denen sich die Philosophen der Menschheitsgeschichte die Zähne ausgebissen haben. Letzteres, also die Annahme, dass die Welt objektiv ist, steht nämlich in direktem Zusammenhang mit der Annahme, dass die merkwürdigen Quanteneffekte eine Ebene haben müssen, wo sie sich ereignen, also die anderen Welten.
Im Gegensatz zu anderen Deutungen lehnt Deutsch es ab, diese Effekte nur auf statistische Wahrscheinlichkeiten zu reduzieren, und um das darzulegen, holt er im positiven Sinne sehr weit aus.
Man hat hier also den seltenen Fall vor sich, dass ein wissenschaftlicher Autor gleichzeitig einen äußerst wirklichkeitsverbundenen als auch einen fast esoterischen Eindruck macht, und gerade das macht das Buch spannend.
Beim Stil hat man manchmal den Eindruck, dass Deutsch mit dem Niederschreiben seiner Gedanken kaum hinterherkommt, aber wenn man sich ein wenig Zeit nimmt, ist das Buch ein Erlebnis.