Was hat die Physik in der Traumforschung zu suchen? Etwas skeptisch machte ich mich über das Buch des amerikanischen Physikers Fred Alan Wolf her. Er geht davon aus, daß Träume und Hirnreize der Quantenmechanik folgen und greift die Hypothese der "Psychonen" auf, also der kleinsten Einheiten psychischer Energie, die von dem Gehirnforscher John Eccles postuliert wurden. Eine große Rolle für das Verständnis des Träumens spielt das Synchronizitätsprinzip, das bereits vom Physik-Nobelpreisträger Wolfgang Pauli zusammen mit C.G. Jung entwickelt wurde. Danach erlaubt die Quantenphysik, daß zwei Ereignisse, die in keinem kausalen Zusammenhang stehen, sich gegenseitig beeinflussen können. Für die klassische Physik ist so etwas undenkbar, aber zum Träumen, Assoziieren und für telepathische Quantensprünge ist es ideal. Die "Traumzeit", also der unendliche spirituelle Zyklus der australischen Ureinwohner, den sie für wirklicher als die reale Zeit ansehen, bietet hier verblüffende Parallelen. Wir stehen noch sehr am Beginn, so komplexe Systeme wie das menschliche Gehirn und seine Aktivitäten zu verstehen. Es ist notwendig, daß verschiedene Disziplinen der Wissenschaft zusammenwirken, um zu ganz neuen, umfassenderen Antworten zu gelangen. Auch sie sind gewissermaßen nur Landkarten, nicht das Land selbst. Aber je genauer solche Karten sind, desto nützlicher sind sie für das Verständnis, und vielleicht ist dies der "Große Traum", von dem Fred Alan Wolf träumt. Sein Buch ist faszinierend, allerdings nicht immer leicht zu lesen. Aber meine Skepsis ist bereits im ersten Viertel verschwunden und dieser Faszination erlegen. Hans-Curt Flemming