Ein faszinierender Roman über die Philosophie und die Liebe!
Die geneigte Leserschaft erlebt den Wandel Sophie Vollards vom quasi ungeschliffenen Rohdiamanten - mit großer Liebe zum geschriebenen Wort - zum funkelnden Edelstein: sie schreibt eigene Traktate zur ersten im Frankreich des Louis XV. erschienenen Enzyklopädie, sie redigiert und verändert den Inhalt, um die Enzyklopädie zu retten und zerstört damit scheinbar ihre Liebe:
Die Geschichte beginnt damit, dass Sophie im Jahre 1747 als elfjährige die Hinrichtung ihrer Mutter miterleben muß. Angeblich wurde diese wegen Hexerei, ihrer Liebe zu einem Mann sowie aufgrund ihrer Liebe zu Büchern hingerichtet. Daher hat verbringt Sophie nahezu ihr ganzes Leben in Angst vor Büchern und vor der Liebe.
Sophie wächst im Kloster auf, geht nach Paris und findet Arbeit im Café Procope. Einem Sammelpunkt der Dichter und Denker. Dort lernt sie Denis Diderot kennen und trotz aller Ängste und Bedenken zu lieben. Diderot gibt ihr nicht nur den Mut, ihrer Leidenschaft zu lesen, nachzukommen, sondern eröffnet ihr gewissermaßen auch das Tor zu ihrem eigenen Intellekt.
Über einen Zeitraum von etwa 20 Jahren begleiten wir die Ups and Downs der Beziehung zwischen Sophie und Diderot, ebenso wie das Gerangel um das Erscheinen der Enzyklopädie: Wissen ist Macht. Wer Wissen hat, hat Macht über das eigene Leben. Wenn das gemeine Volk zu viel Wissen hätte, würde nach Auffassung der katholischen Kirche - in Form des Beichtvaters der Königin, Pater Radominsky - das Gesetz Gottes außer Kraft gesetzt. Ergo: die katholische Kirche fürchtete um ihre Vorherrschaft. Daher setzte sie alles daran, die an dem Erscheinen der Enzyklopädie beteiligten Gelehrten und Philosophen zu verunglimpfen und die Enzyklopädie verbieten zu lassen.
Teilerfolge sind auf beiden Seiten zu verzeichnen, bis schließlich ein Attentat auf Louis XV. im Jahre 1758 der Kirche eine neue Handhabe gibt und die Enzyklopädie im Jahre 1759 von Rom auf den Index der verbotenen Bücher gesetzt wird. Sophie setzt alles daran, damit Diderots Lebenswerk - die Enzyklopädie - doch zu Ende geführt werden und erscheinen kann. Sie stellt das Erscheinen der Enzyklopädie über ihre Liebe zu Diderot...
Atmosphärisch dicht, sprachlich brilliant, äusserst spannend und nebenbei auch noch ein lehrreicher Einblick in die Philosophie. Anspruchsvolle, spannende Unterhaltung, die mich völlig in den Bann gezogen hat.
Fazit: „Denn das Lesen der Schriftzeichen war ihre Sucht" (über Sophie, S. 67). Süchtig kann man in der Tat werden und zwar nach Büchern, die genauso gut fabuliert sind, wie dieses. 5 Sterne mit Muß!