Auf das Erscheinen des Buches "Die Philosophie bei Harry Potter" habe ich mich schon lange gefreut, da ich hoffte, dass es sich von der üblichen Sekundärliteratur zu "Harry Potter" abhebt. Und tatsächlich stammt es erfreulicherweise nicht von (jungen) Fans, die vor allem Selbstdarstellung betreiben, sondern von Fans, die größtenteils Professoren der Philosophie sind und philosophische Einblicke in J.K. Rowlings Meisterwerk geben können.
Das Buch enthält insgesamt 18 Aufsätze. Mehrere von ihnen stammen vom Herausgeber Gregory Bassham.
Die Aufsätze beschäftigen sich mit den verschiedensten Themen aus der Harry-Potter-Reihe, der Schwerpunkt liegt dabei am ehesten auf dem siebten und auch etwas auf dem sechsten Buch. Wichtige Themen sind die Liebe, Macht und ihre Verlockungen, der Tod und die Identität. Als Personen stehen insgesamt eher Harry, Dumbledore und Voldemort im Vordergrund, mehrere Kapitel beschäftigen sich auch speziell mit anderen Personen (z.B. Snape und Sirius).
Die Autoren gehen beim Schreiben sehr unterschiedlich vor: Einige orientieren sich stark am Inhalt des Buches und stellen einen Bezug zu philosophischen Bereichen her, andere gehen andersherum vor.
Die meisten Kapitel haben mich sehr interessiert: Die philosophischen Themen sind größtenteils sehr interessant (Ich kenne mich mit Philosophie eher wenig aus, daher war mir nur sehr selten schon etwas bekannt) und verständlich dargestellt. In einigen Ausnahmefällen war mir der Bezug zu Harry Potter etwas weit hergeholt, was mich beim Lesen störte, oder ich konnte den Schlussfolgerungen einiger Autoren einfach nicht zustimmen, was ich jedoch nicht negativ sehe. Ein bis zwei Autoren haben es meiner Meinung nach jedoch auch geschafft, inhaltlich nur Irrelevantes und Langweiliges abzuliefern, was zudem, soweit ich das beurteilen kann, nur wenig mit Philosophie zu tun hat.
Ein weiterer negativer Punkt sind die häufigen (!) Fehler. Teilweise sind einzelne Wörter schlicht und einfach falsch, was man vielleicht dem Übersetzer in die Schuhe schieben kann; für ein paar inhaltliche Fehler sind die Autoren aber selbst verantwortlich. Es sei ihnen verziehen, denn sie liefern alles in Allem großartige Arbeit ab ;-)
Wem ist das Buch zu empfehlen?
Harry-Potter-Fans, die zumindest keine jüngeren Teenager mehr sind und einen mindestens entsprechenden Bildungsstand haben, dürfte die Lektüre des Buches sehr interessieren und auch nicht überfordern. Philosophisches Vorwissen braucht man eigentlich nicht, denn Platon, Sokrates und co. werden verständlich erläutert. Es ist eigentlich überflüssig zu erwähnen, aber die Harry-Potter-Reihe muss man vorher komplett gelesen haben. Das Buch eignet sich nicht dafür, einen thematischen Einblick in die Buchreihe zu erhalten, um mitreden zu können.
Alles in Allem ist das Buch äußerst interessant, aber es stammt nunmal von vielen Autoren und nicht alle Aufsätze erreichen inhaltlich den Fünf-Sterne-Bereich. Die etwas zu häufigen Fehler, die jedem "wahren" Fan leider auffallen, waren eigentlich vermeidbar. Dennoch kann ich das Buch nur weiterempfehlen, und das nicht nur, weil bisher sowieso nichts Besseres auf dem Markt ist.