Glenn E. Markoe, Ph.D. (der University of California in Berkeley) veröffentlichte die Originalausgabe "Phoenicians" bereits im März 2000. Der Band gehört zur Reihe "Peoples of Past", die von der British Museums Press herausgegeben wurde.....
.....und dann drei Jahre später unter dem deutschsprachigen Titel "Die Phönizier" im Stuttgarter Konrad Theiss Verlag in dessen Sachbuchreihe "Völker der Antike" erschien.
Zu Beginn, gleich nach dem Inhaltsverzeichnis erwarten den Leser vier Seiten mit Karten und Kartenausschnitten, die den mediterranen Wirkungskreis der phönizischen Kultur - von der Levante bis zur Iberischen Halbinsel - deutlich machen. In seiner anschließenden Einleitung erinnert der Autor daran, welche Assoziationen der Begriff Phönizier noch heute erweckt. Unersättliche Wucherer und skrupelose Profiteure, die Hilflose entführten und mit Menschen handelten, als ausschweifende und moralisch verdorbenes Volk, das seine Töchter prostituierte und seine Kinder zu Ehren seiner Götzen schlachtete. In der englische Sprache hat sich das Bild von Intriganten und Ränkeschmiede erhalten. "Jezebel" als Abbild einer infamen und schamlosen Frau, war eine Prinzessin aus Tyros. Wer war dies Phönizier wirklich? Ihre ethnische Identität ist, abgesehen ihrer semitischen Wurzeln, immer noch ein Rätsel. Ihre moderne Bezeichnung Phönizier leitet sich vom griechischen "phoinix" ab, des Bedeutung umstritten ist. Unter anderem bezeichnet es die Farbe Purpurrot oder Blutrot. Dies könnte ein Hinweis auf die rötliche Farbe ihrer Haut, aber auch auf die Produktion von Purpurfarbstoff sein. Manche sehen gar einen Hinweis zum Roten Meer. Eine andere, besoders aus dem Alten Testament bekannte Bezeichnung lautet Kanaaniter. Kanaan (hebräisch: Kenacan) geht möglicherweise auf eine hurritische Namensform zurück und bedeutet "Land des roten Purpurs".....
.....da sich in erster Linie die Überlieferungen der Konkurrenten und Feinde der Kanaaniter/Kanaanäer/Phönizier/Punier, wie jene der Israeliten, Griechen und Römer manifestiert haben, ist ihr schlechtes Image keine Wunder. Man denke nur an ihre unzähligen Baals- und Melkart-Kulte, Moloch-Riten usw. Besonders "frevelhaft" für die Israeliten war die Verehrung von Astarte/Aschera, einer Fruchtbarkeitsgöttin. In Ägypten wurde Baal mit dem roten Gott der Wüste, Seth, gleichgesetzt, dessen Erscheinung zur Blaupause für spätere Teufelsdarstellung werden sollte.
.....demgegenüber zeichnet der Kurator für die Kunst des klassischen Altertums und des östlichen Mittelmeerraumes am Cincinnati Art Museum ein differenziertes Bild einer nordwest-semitischen Stammesgruppe, die sich besonders durch Seefahrt und Handel auszeichnete. Seine Darstellung hat Dr. Markoe in sieben Sachkapitel untergliedert. Mit 52 Seiten macht das erste Kapitel "Geschichte" den Hauptteil des Buches aus. Beginnend bei der späten Bronzezeit bis zur Hellenisierung Phöniziens und des punischen Westens reicht die Chronologie. Das zweite Kapitel hat die phönizische "Stadt" zum gegenstand. Neben urbaner Charakteristika, werden der Hafen, das Haus, Stadtentwicklung und -verteidigung vorgestellt. Streitkräfte, Befestigungen, Stadtverwaltung und Sozialstruktur im Mutterland und den Kolonien. "Wirtschaft: Industrie und Handel" vor und nach Einführung des Geldes und Wirtschaftliche Außenpolitik werden, ebenso wie die spätere Wirtschaft Karthagos, erläutert.
Das vierte Kapitel ist der Sprache und Literatur gewidmet. Besondere Beachtung verdient eine Tafel, auf der die Entwicklung des phönizischen Alphabets von ca. 1000 - 4 v. Chr. dargestellt ist. Aus diesen Zeichen entwickelten sich das griechische und lateinische Alphabet. Im folgenden Kapitel "Religion" werden das Pantheon, die Kosmogonie, kultische Bräuche und Kultstätten präsentiert. Der Religion der Punier (Karthager) mit ihrem Tophet-Bezirk und Kindesopfern, sowie den Bestattungsriten der Phönizier sind eigene Abschnitte gewidmet. Neben zahlreichen sw-Abbildungen wird das Kapitel durch eine sechseitige Farbfotostrecke aufgelockert. Die "Materielle Kultur" und Außenhandelsbeziehungen" der Phönizier werden in den letzten beiden Kapiteln behandelt. Das kulturelle Erbe, Elfenbein- und Metall, Großplastiken, Sarkophage, Fayencen und Glas, Terrakotta, Keramik, Weberei und Textilfärbung (!) hatten auch im Aussland starken Einfluss. Die Phönizischen Siedlungen und Handelsbeziehungen in den Regionen und auf den Inseln des Mittelmeerraumes werden einzeln beschrieben. Von Zypern, über Rhodos, Kreta, ,Malta, Sizilien, Afrika und Spanien bis zum Atlantikhandel der bis zu den Zinn-Inseln (Britannien) reichte. Einem Epilog folgt noch ein Anhang mit einen "Überblick übder die Städte in der phönizischen Heimat", Bibliographischen Angaben (monographien und Sammelbände), sowie Anmerkungen und Fussnoten zu den einzelnen Kapiteln, einem Glossar, Register, einer Zeittafel und einem Bildnachweis.
5 Amazonsterne für ein übersichtliches Standardwerk, das sich zum Nachschlagen, aber auch als gut zulesende Lektüre empfiehlt.