Der Publizist und Zeithistoriker Theo Schwarzmüller und Michael Garthe, Chefredakteur der Ludwigshafener Tageszeitung "Die Rheinpfalz" wollen mit diesem Band eine Symbiose zwischen Wissenschaft und Journalismus eingehen und die Geschichte der Pfalz in den zurückliegenden hundert Jahren "sachgerecht und anschaulich darstellen" (S. 12). Dennoch soll das populärwissenschaftlich angelegte Überblickswerk "keine umfassende und endgültige Gesamtdarstellung" (S. 13) sein. Autoren des Buches sind in der Region lebende Historiker und historisch interessierte Mitglieder der "Rheinpfalz"-Redaktion. Zunächst fällt auf, daß das übersichtlich gegliederte Werk auch als Nachschlagewerk verwendet werden kann. Die Epochenbeschreibungen werden durch kurze Zeittafeln und kleinere Zwischenkapitel, die schlaglichtartig einzelne Sachthemen und Persönlichkeiten hervorheben, ergänzt. Die umfangreicheren Texte sind reich bebildert und farblich hervorgehoben, von journalistischen Anmerkungen, Zitaten und Quellentexten durchsetzt. Das Layout ist der "Rheinpfalz" bzw. dem modernen Web-Design nachempfunden. Im Anhang findet sich ein chronologischer Überblick zur Geschichte der kreisfreien Städten, der Landkreise und der angrenzenden Gebiete "Kurpfalz" und "Saarpfalz". Kommentierte Literaturhinweise und ein hilfreiches Register, das u.a. von Hannes Ziegler bearbeitet wurde, erleichtern auch ungeübten Laien den Einstieg. Im ersten Teil stellen ausgewiesene Kenner der pfalz-bayerischen Geschichte vor dem Zweiten Weltkrieg, insbesondere Thomas Fandel, Hans Fenske und Wilhelm Kreutz die Forschungsergebnisse gefällig dar. Informativ ist auch der biographische Abriß, den der Mannheimer Wirtschaftshistoriker Christoph Buchheim über das Wirken des pfälzischen Finanzexperten Karl Helfferich im Kaiserreich und der Weimarer Republik verfaßt hat. Weniger gelungen ist dagegen die Darstellung der zweiten Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts. In der Einleitung weisen die Herausgeber zu Recht darauf hin, daß sie "noch weithin unerforscht" (S. 13) ist. Dennoch hätte das Thema "Nachkriegszeit" stärker regional verortet werden müssen. Schließlich erfolgte in Deutschland der Wiederaufbau der öffentlichen, kulturellen und ökonomischen Strukturen zunächst nicht auf Nationalstaats- oder Landesebene, sondern in den Städten und Dörfern. Die Gründung des Bundeslandes zeichnet Michael Erbe zwar anschaulich, aber zu umfassend nach. Das Thema hätte in einem Zwischenkapitel abgehandelt werden können. Der regionale Bezug fällt spärlich aus. Die Spannungen zwischen Region und Bundesland werden auch in den folgenden Kapiteln kaum behandelt. Während beispielsweise im strukturschwachen dünnbesiedelten Trierer Raum moderne Straßenbauprojekte vorangetrieben wurden, drohte ein namhafter Ludwigshafener Industriekonzern mit der Abwanderung nach Antwerpen, weil die Verkehrsinfrastruktur in der nördlichen Vorderpfalz, dem wichtigsten Verdichtungsraum des Landes, hoffnungslos überlastet war. Ministerpräsident Peter Altmeier bot, nach Presseberichten, dem Chemieriesen einen Ausweichstandort im Norden des Landes an, was nicht gerade seine Verbundenheit mit der Pfalz dokumentiert. Warum ausgerechnet ihm ein eigenes Zwischenkapitel gewidmet wurde, läßt sich deshalb schwer nachvollziehen. Die von Rudolf Morsey (S. 157) festgestellte "unverkennbare Distanz zur Pfalz und zu den Pfälzern" verringerte sich keineswegs "im Lauf der Zeit". Sie durchzieht die gesamte Ära Altmeier. Sein allzu starres Festhalten an der überkommenen kostenintensiven Konfessionsschule ("Zwergschule") trug wenig zur Befriedung innerhalb des Landes bei. Auch die von Altmeier eingeleitete Verwaltungsreform stärkte keineswegs die pfälzische Position. Während der kleine Regierungsbezirk Trier bis heute fortbesteht, wurde die Pfalz mit der mehrfachen Einwohnerzahl durch den Zusammenschluß mit Rheinhessen und durch Grenzverschiebungen von der politischen Landkarte getilgt. Die Anfang des 19. Jahrhunderts begründete bayerisch-pfälzische Verwaltungstradition endete damit und konnte gar nicht mehr, wie von Winfried Volz fälschlicherweise behauptet (S. 197), im Jahre 1998 von der Regierung Beck zerstört werden. Die Hauptkapitel (1951-1999) bemühen sich darum, den regionalen Bezug herzustellen, enden aber häufig in einer Darstellung von Landes- und Bundespolitik, die mit Einzelbeispielen aus Stadt und Land versehen wurde. Warum wurden alle Mainzer "Aufgeregtheiten" und „Skandälchen" während Regierungszeit von Kurt Beck ausgebreitet? Was hat etwa die falsche Abrechnung von Essensmarken der Landtagskantine (S. 198) mit der Geschichte der Region zu tun? Wenn die pfälzische Identität "auf der Vergangenheit" gründet (S. 13) und auch nach 1945 noch vorhanden ist, dann müßte sie in den einzelnen Phasen herausgearbeitet werden. Wilhelm Kreutz liefert beispielsweise in seiner Darstellung des nationalsozialistischen Aufstiegs (S. 75ff.) konfessionelle und (partei-)politische Besonderheiten, die in den Beiträgen für die Zeit nach 1950 unter dem neu hinzugekommenen Gegensatz zum Bundesland hätten aufgegriffen werden können. Das Herausstellen einzelner "Identitätsobjekte", etwa des 1. FC Kaiserslautern oder des "Einheitskanzlers", wirkt indes zu plakativ. Mit insgesamt 28 Seiten (!) ist Helmut Kohl die im Buch am meisten erörterte Person. Die biographische Würdigung auf engstem Raum (S. 186f.) lobt vorwiegend dessen außenpolitisches Wirken. Sie ist zugleich ein eindrucksvolles Beispiel für das von den Herausgebern angeführte Zitat Golda Meirs, daß moderne Geschichte nur "mit dem Bleistift" geschrieben werden sollte (S. 13). Störend wirken Schwarz-Weiß-Malereien und nebulöse, pseudomoralische Platitüden in Einleitung und Ausblick (S. 11ff., S. 201ff.): "Gut und Böse ..., Menschlichkeit und Barberei ..., Frieden, Freiheit und Recht ..., Heimatstolz" etc. Gleichermaßen stört die effektheischende und sachlich falsche Überschrift "Der Kanzler und der Kommunist", die die Verbundenheit zwischen dem ehemaligen KPD-Landesvorsitzenden und SPD-Landtagsabgeordneten Herbert Müller und Helmut Kohl kommentiert (S. 147). Die Freude des Nutzers des "Rheinpfalz"-Bandes über die Fülle der Fakten wird an einigen Stellen durch fehlerhafte Recherchen getrübt. So arbeitet die Graphik "Bundestagswahlergebnisse in der Pfalz" (S. 149) mit falschen Prozentwerten. In den Zeittafeln stört die Beliebigkeit der Daten. Ist es beispielsweise nötig, den Amtsantritt von Bundespräsident Karl Carstens (S. 158) einseitig hervorzuheben? Warum bleibt andererseits die wichtige Zäsur der Großen Koalition unerwähnt? Ähnliches bei der von Schwarzmüller zusammengestellten Chronik der pfälzischen Kommunen: Zwar findet Norbert Blüm, der einmal über die Landesliste in den Bundestag einzog, besondere Berücksichtigung in der Chronik der Chemiestadt (S. 233), nicht aber andere Bundestagsabgeordnete und einige Oberbürgermeister, die sicherlich für die Stadt prägender waren. Auch scheint manches historisch "verkürzt" - etwa der Gebrauch des Wappens des Rhein-Neckar-Kreises als Symbol für die - rechtsrheinische - Kurpfalz. Im kommentierten Literaturverzeichnis hätten die Bearbeiter den Leser auf die zweifelhafte Auswahl der "Pfälzer Persönlichkeiten" des von Viktor Carl herausgegebenen gleichnamigen "Lexikons" hinweisen können (S. 250). Es ist verdienstvoll, daß die Herausgeber sich der Aufgabe gestellt haben, eine Fülle von Daten anschaulich zu gestalten. Die Zusammenarbeit von Wissenschaftlern und Zeitungsmachern sollte Nachahmer finden.