´i¸ek`s Pest der Phantasmen filetiert aus dem massiven medialen Bilderstrom und der korrespondierenden phantasmatischen Schöpfungskraft der Subjekte fein säuberlich eine Theorie des Phantasmas heraus, die das kollektive Unbewußte unserer Zeit nicht "heraufbefördert", sondern vielmehr zeigt, wie es sich um uns herum und in uns bereits materialisiert hat. Zur Verdeutlichung konzentriert er sich deshalb konsequent auf Popkultur, Toilettenbauweisen, mediale Präsentationen des Sexualakts und den Cyberspace. So erklärt sich nicht nur, warum in deutschen Klos die Scheiße auf einem erhöhten Plateau zur Inspektion zwischengelagert wird, während der Franzose das unrepräsentative Ergebnis am Ende der körperlichen Verwertung - hat nicht der Franzose auch das Urheberrecht an der Dekonstruktion der Repräsentation? - direkt dem Unbewußten "Kanalisation" zuführt, sondern auch warum die Homophobie der Armee für selbige ebenso konstitutiv ist, wie verfassungsmäßig garantierte subjektive Rechte für Staaten, in denen man sich nicht auf sie berufen kann. Irgendwann dämmert einem, dass ´i¸ek sein Spiel mit einem treibt: während man gerade noch geglaubt hat, das Buch für die eigenen Phantasmen missbrauchen zu können (wenn er zum Beispiel pornographische Szenen beschreibt), muss man einsehen, dass ´i¸ek sie nur benutzt, um den Leser in das sonst nur schwer zugängliche Werk Lacan`s einzudringen zu lassen - und zwar mit seinen eigenen Phantasmen. Er zeigt dabei nicht nur, wie ideologiegetränkt der hautnahe Alltag ist, sondern entkleidet die Ideologie gleichsam auf ein paar konstituierende Regeln. Schwach sind dabei lediglich ´i¸ek`s Ausführungen zum Cyberspace, die viel zu feuilletonistisch diesen real bisher kaum sinnvoll betretbaren Raum mit Sinn überladen, und darauf hinweisen könnten, dass ´i¸ek mit diesem eine eher theoretische Bekanntschaft gemacht hat. Hier erwartet der Leser wohl eine ebenso scharfsinnige Auseinandersetzung mit der Ideologie des Cyberspace, leider vergeblich. Zumindest hat ´i¸ek dem Leser zuvor Waffen an die Hand gegeben, die scharf genug sind, um diesen Schritt selbst zu vollziehen.