Aus der Amazon.de-Redaktion
Die Stadt wird hermetisch abgeriegelt und Camus schildert die Reaktionen und Bemühungen der Bürger. Die Epidemie schafft die absolute (?) Gerechtigkeit. "Aber wenigstens sitzen alle im selben Boot" (S.220). Keine(r) kann ihr entkommen. Keine(r) kann aber auch der Bürokratie entkommen. Beide gleichen sich. "Aber es war so, als habe die Pest sich auf ihrem Höhepunkt gemütlich eingerichtet und verrichte nun ihre täglichen Morde mit der Präzision und Regelmäßigkeit eines guten Beamten" (S.267). Die Pest bringt das Wirtschaftsleben zum Erliegen und schafft so die Erwerbslosen, die zu niedrigeren Arbeiten (Organisation der Isolation, Bestattung) eingesetzt werden. Der Fortschritt zu mittelalterlichen Pestepidemien besteht in der Führung von Karteikarten über die Toten (S.199).
Camus geißelt mit der Pest alle Ideologien und die Bürokratie. Doch diese Botschaft geht auf Kosten von Spannung, Handlungsdichte und Detailtreue. So schreibt er z.B. von einer kleinen Stadt (S.82), mit zweihunderttausend Einwohnern (S.90), die später, nach all den Toten, auf "einige hundertausend Menschen" (S.213) zunimmt. Lesenwert, doch keineswegs so mitreißend, wie ich es mir vorstellte. Herbert Huber
Audiobook-Rezensionen
Ulrich Matthes Stimme kommt dem lakonisch-berichtenden Stil sehr entgegen. Sie vermittelt die Alarmstimmung, die Gleichgültigkeit, schließlich die Sehnsucht nach Freiheit, die Hoffnung; gleichzeitig lotet sie perfekt die vielen philosophischen Fragestellungen aus. Matthes ist einer der gefragtesten Bühnen- (Berliner Schaubühne und Münchner Kammerspiele) und Filmschauspieler (z. B. in Tom Tykwers Winterschläfer). Mittlerweile hat er sich auch als Sprecher von Hörbüchern einen Namen gemacht.
Im Mittelpunkt des Geschehens steht der Arzt Bernard Rieux: Schon zu Beginn, als noch niemand in der Stadt auch nur an die Pest denkt, steht seine Diagnose fest: Den dahingerafften Ratten werden die Menschen folgen! Doch bis die Behörden endlich in die Gänge kommen, vergeht kostbare Zeit. Unermüdlich versucht Rieux zu retten. Um den Arzt gruppieren sich der zufällig in der Stadt weilende Journalist Rambert, der anfangs zu seiner Geliebten nach Paris fliehen will, dann aber bleibt, der Jesuitenpater Paneloux und Tarrou. Auch sie setzen alles daran, Menschen zu retten. Dramatischer Höhepunkt der tödlichen Entwicklung ist das sinnlose Sterben eines kleinen Jungen. Sinnlos und absurd ist auch das Sterben des Paters, des Freundes Tarrou und der Ehefrau des Arztes. Kurz vor Ausbruch der Pest war sie in ein Sanatorium außerhalb der Stadt gegangen. Am Ende gibt sich der Verfasser der Chronik als der Arzt Rieux zu erkennen, für den die Pest eine endlose Niederlage war und ist. Denn der Pestbazillus stirbt niemals aus oder verschwindet ...
Albert Camus, 1913 in Mondovi/Algerien geboren und 1960 bei einem Autounfall ums Leben gekommen, zählt zu den bedeutendsten Existentialisten mit ausgeprägt moralisch-philosophischem Ansatz. Sein Buch Mensch in der Revolte (1951) besiegelte den Bruch mit Jean Paul Sartre. 1957 erhielt Camus den Nobelpreis für Literatur (Auszüge aus seiner Dankesrede sind im Booklet zu lesen). Weitere Werke: Der Fremde (1940), Der Mythos des Sisyphos (1942), Die Pest (1947), Der Fall (1956). Lesung, Spieldauer: ca. 191 Minuten, 3 CDs. Mit Booklet. -- culture.text
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Buch der 1000 Bücher
Die Pest
OT La pesteOA 1947 DE 1948 Form Roman Epoche Moderne
Mit dem in Form einer allegorischen Chronik angelegten Roman Die Pest gelang Camus eine der wichtigsten literarischen Vergangenheitsbewältigungen der französischen Nachkriegszeit. Camus verstand sein Werk als literarisches und historisches Dokument sowie Mahnmal gegen jede Art von Gewalt und Terror, als Aufruf zu gesellschaftlicher Solidarität und kollektivem Engagement in Zeiten der Not.
Inhalt: Die frei erfundene Handlung spielt in den 1940er Jahren in der nordafrikanischen Stadt Oran. Sterbende Ratten sind das erste Anzeichen der Pest, die das Volk zunächst nicht wahrhaben will. Als die Seuche immer mehr Menschenleben fordert, wird die Stadt unter Quarantäne gestellt. Der Arzt Rieux organisiert den Widerstand gegen die Seuche, unterstützt vom Pariser Journalisten Rambert, dem kleinen Angestellten Grand und dem gemäßigten Ideologen Tarrou. Die freiwilligen Hilfstrupps setzen sich unermüdlich für die Rettung von Menschenleben ein. Nutznießer der Tragödie sind der Kriminelle Cottard und der Jesuit Paneloux. Tarrou, mit dem sich Rieux angefreundet hat, stirbt als einer der Letzten an der Pest, als die Bevölkerung schon die Befreiung von der Seuche feiert. Sein Tod erscheint ebenso absurd wie das Sterben von Rieux Frau, die er im Sanatorium außerhalb der Stadt in Sicherheit glaubte.
Camus beschreibt ein kollektives Leid, das eine Gemeinschaft ereilt. Er zeigt die Auswirkungen auf das moralische Klima in der Stadt und Verhaltensweisen einzelner Personen, die sich der Seuche entweder widersetzen oder sie für ihre Zwecke nutzen. Die Symptome einer allegorischen Bedeutung der Pest häufen sich im Verlauf des Textes und werden durch wiederholte Vergleiche von Pest und Krieg bestätigt. Mit der Beschreibung der Aktionen der Sanitäter, die sich gegen eine scheinbare Übermacht behaupten, würdigt Camus im literarischen Gleichnis die Leistung der französischen Widerstandsbewegung. Die Kollaboration besteht in der Nutznießung der Seuche durch Schmuggler, Kriminelle und den Geistlichen Paneloux. Auch wenn die Pest am Ende besiegt ist, wird davor gewarnt, dass der Triumph nicht endgültig sein kann.
Aufbau: Der Roman Die Pest ist wie das klassische Drama in fünf Teile gegliedert, die insgesamt 30 Kapitel umfassen. Im ersten Teil werden erste Anzeichen der Pest geschildert. Der zweite Teil zeigt das Fortschreiten der Seuche, die im dritten Teil ihren Höhepunkt erreicht. Am Ende des vierten Teils kündigt sich das Schwinden der Seuche an, das im fünften und letzten Teil beschrieben wird. Der angebliche Chronist der Ereignisse, der Arzt Rieux, gibt an, das Geschehen direkt im Anschluss aufgezeichnet zu haben sowie objektiv und umfassend zu berichten. Trotzdem beschränkt er sich nicht auf Wiedergabe des äußeren Geschehens, sondern lässt den Leser an inneren Konflikten der Figuren teilhaben. Der Erzähler reflektiert auch über das Erzählen selbst, insbesondere über die Frage der wirklichkeitsgetreuen Darstellung.
Wirkung: Mit dem Roman gelang Camus endgültig der literarische Durchbruch. Von der Kritik durchweg gelobt, entwickelte sich das Buch schnell zum Verkaufsschlager. Der Bezug zur jüngsten (Kriegs-)Vergangenheit wurde 1947 in ganz Europa verstanden. Das Solidaritätskonzept, das Camus in seinem Werk entwickelt, beansprucht für jede vergleichbare Spannungssituationen Geltung. S. Na. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
Kurzbeschreibung
Klappentext
"Die Wette unserer Generation"
Camus' Leben und Werk
Entstehungsgeschichte und Quellen der "Pest"
Inhalt der "Pest"
Struktur und Erzähltechnik der "Pest"
Haupt- und Nebenperson der "Pest"
Bedeutungsebenen der "Pest"
Die thematische Vernetzung der "Pest"
"Die Pest" im Kontext von Camus' Werk
Oran
"Der Belagerungszustand"
"Der Ungläubige und die Christen"
"Der Mythos von Sisyphos"
"Briefe an einen deutschen Freund"
"Der Mensch in der Revolte"
Aspekte zur Diskussion - Stimmen der Kritik
Der verborgene Gott
Das Böse in der Welt
Revolte und Resignation
Benutzte und weiterführende Literatur -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.