Hakan Nesser zu lesen, ist immer wieder eine literarische Wohltat. Hebt er sich doch durch seine klare und dennoch poetische Sprache wohltuend von seinen skandinavischen Krimikollegen ab. Die gelungenen Übersetzungen von Christel Hildebrandt tragen zu diesem Genuss bei.
Diesmal ist es nicht der legendäre Kommissar van Veteren, auch nicht dessen Nachfolger Barbarotti, die ermitteln. "Die Perspektive des Gärtners" ist ein eigenes Werk, angesiedelt im brodelnden Manhattan, für einige Jahre die Wahlheimat Hakan Nessers.
Erik Steinbeck heißt der Protagonist, aus dessen Perspektive Nesser seinen Fall um ein verschwundenes Mädchen aufrollt. "Die Perspektive des Gärtners" ist der Titel eines von Steinbeck veröffentlichten Romans, durch den er seine Frau Winnie kenne lernt. Ein Motiv, dass sich bei Nesser wiederholt: Auch "Herr ohne Hund" wurde als fiktiver Roman eines Protagonisten zum Buchtitel. Ebenso taucht sein fiktives europäisches Land auf, das aus den van-Veteren-Krimis bestens bekannt ist. Winnie und Erik wohnen eine zeitlang im dort schon bekannten Maardam.
Zur Handlung:
Sarah, 4-jährige Tochter von Winnie und Erik, wird vor Eriks Augen entführt. Obwohl Erik sofort die Polizei einschaltet, führt die Spur ins Nichts. Sarah bleibt verschollen. Über ein Jahr vergeht, Winnie überredet Erik zu einem Umzug nach New York, scheinbar um den Erinnerungen zu entgehen. Aber Winnie ist berechnend. Erik braucht lange, um herauszubekommen, dass sie ihm über ihre Vergangenheit nicht die Wahrheit gesagt hat. Mit Hilfe eines pensionierten Privatdedektivs erforscht Erik Winnies Gehemnisse und bekommt eine Ahnung dessen, was mit Sarah passiert sein könnte...
Ein Buch, dass man schon nach den ersten Seiten nicht mehr aus der Hand legen möchte. Fesselnd ist es, aber mehr noch wirkt es unheimlich, Nesser lässt den Leser ahnen, mitfiebern, rätseln, macht mit jedem Kapitel mehr neugierig auf die wahre Geschichte, die sich letztendlich offenbart.
Das ist Lesen!