Aus der Amazon.de-Redaktion
Nun, in New York, vierzehn Monate nach Saras Verschwinden, scheint sich eine fragile Normalität einzustellen – zumindest empfindet Erik, aus dessen Perspektive der Roman erzählt ist, das so. Doch einige mysteriöse Zwischenfälle öffnen einen Abgrund, und Erik muss sich der Tatsache stellen, dass etwas mit Winnie nicht stimmt, dass sie ihm mindestens etwas verheimlicht, dass sie ihm, ihrem Ehemann, vielleicht sogar die ganze Zeit nur eine Fassade gezeigt hat, hinter der sich eine ganz andere Person verbirgt. Als Winnie plötzlich nicht mehr da ist und nur einen Zettel zurücklässt, laut dem sie wisse, dass Sara lebt, macht sich Erik mithilfe eines Privatdetektivs auf die Suche – und stellt bald fest, dass vieles ganz anders ist, als er immer geglaubt hat.
Die Perspektive des Gärtners ist nicht wirklich ein Krimi, auch wenn man den Roman so lesen kann. Das Buch ist vor allem eine Reflexion über Vertrauen und Vertrauensmissbrauch, und es handelt vom allmählichen Verrücktwerden der Zurückbleibenden nach dem Raub des eigenen Kindes. Bedächtig treibt Nesser die Handlung voran und dreht dabei höchst gekonnt permanent an der Spannungsschraube. Während in der New Yorker Gegenwartshandlung zunehmend verwirrende Dinge geschehen – zwischendrin bekommt man fast den Eindruck, Nesser habe einen Mystery-Thriller geschrieben –, erfährt man in geschickt eingewobenen Rückblenden, wie Erik und Winnie sich kennengelernt haben (auch das höchst mysteriös!) und wie Saras Entführung vonstatten ging. Doch der Clou bei alldem: Die Perspektive des Romans ist ja nicht die eines allwissenden Erzählers, sondern es ist Eriks – und ob die Dinge wirklich so stattgefunden haben, wie er sie dem Leser wiedergibt, wird immer zweifelhafter…
Auch wenn es einen kleinen Minuspunkt beim Finale gibt – die Auflösung der „Mystery-Elemente“ erfolgt doch etwas sehr abrupt und unelegant –, ist dieser Roman einer der besten, die Håkan Nesser geschrieben hat: hochspannend, aber nicht reißerisch; nachdenklich, aber nicht ermüdend; unterhaltsam, aber nicht flach. Ein ganz großartiges, ungewöhnliches Werk. -- Christoph Nettersheim
Pressestimmen
"Ein herausragender Kriminalroman, absolut empfehlenswert." (Christiane Westermann in frau tv )
„Nesser erzählt gewohnt raffiniert und mit viel Fingerspitzengefühl. Beinahe behutsam fasst er die Verzweiflung der einsamen Eltern in Worte, so, als könne er sie auf diese Weise schützen vor dem, was er ihnen antut.“ (Katja Weise, NDR Kultur )
Kurzbeschreibung
Wo ist Sarah? Vierzehn Monate ist es her, dass Erik und Winnie Steinbecks vierjährige Tochter verschwunden ist. Beim Spielen von einem fremden Mann auf der Straße angesprochen, in einem dunklen, großen Wagen mitgenommen. Das ist alles, was man weiß. Danach verliert sich die Spur. Kein Erpresserbrief, kein Hinweis auf mögliche Täter. Es ist nicht der erste Schicksalsschlag für Winnie – war doch ihr erster Mann zusammen mit der gemeinsamen Tochter tödlich verunglückt. Um Abstand zu gewinnen, schlägt Winnie Erik deshalb vor, in die USA zu ziehen. Die beiden lassen sich in New York nieder. Und zunächst scheint dies die rettende Idee. Winnie fängt wieder an zu malen, Erik geht jeden Tag in eine öffentliche Bibliothek, um dort zu schreiben. Schon bald jedoch kippt die Situation. Seltsame Dinge geschehen. Winnie behauptet zu wissen, dass Sarah noch lebt. Sie malt ein Bild, das exakt die Situation der Entführung wiedergibt, alles ist fotogenau wiedergegeben – bis auf das Gesicht des Mannes. Erik ist beunruhigt. Durch Zufall entdeckt er, dass seine Frau heimlich aus dem Haus geht, wenn er fort ist. Dass sie obskure Bekanntschaften pflegt. Sie streitet es ab. Und dann erfährt er, dass Winnie ihm nicht die Wahrheit über ihre Vergangenheit gesagt hat …