In den letzten Jahren ist das Angebot von DVDs mit Episoden der Zeichentrickserie "Peanuts" leider so ausgeufert, dass Laien der Durchblick schwer fallen dürfte. Wer Enttäuschungen vermeiden will, greift am besten gleich zu den seit 2002 im Handel erhältlichen DVDs aus dem Hause Warner Bros.
Die bieten insofern ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, als man das Material für den erneuten Transfer auf DVD umfangreich bearbeitet hat. Im Klartext: Das sorgfältig restaurierte Bild sorgt mit satten, leuchtenden Farben und scharfen Konturen dafür, dass das Wiedersehen mit Charlie Brown & Co. auch wirklich immer wieder Freude bereitet (von den um das Jahr 2000 im Frankfurter Verlag "Baumhaus" erschienenen DVDs z. B. lässt sich das nämlich leider nicht sagen).
Eigens für die Warner-Neuauflage hat man zudem eine Reihe von zusätzlichen Beiträgen produziert, die oft interessante Informationen Hintergrundinformationen bieten. Auch der Bonusfilm auf der DVD "Peanuts - Fröhliche Weihnachten" ist sehenswert, zumal er Erstaunliches über die Entstehung des seit 1965 regelmäßig zur Weihnachtszeit im US-amerikanischen Fernsehen ausgestrahlten Zeichentrick-Klassikers verrät.
Angefangen hat alles mit einem Anruf der Werbeagentur McCann Erickson bei Produzent Lee Mendelson: Ob er, Mendelson, dem Agenturkunden Coca-Cola irgendeine Sondersendung anbieten könne, die Coca-Cola den TV-Zuschauern zur Weihnacht präsentieren könne? Im einschlägigen Beitrag auf der DVD schildert der rüstige Mendelson, wie er damals ohne zu zögern Ja gesagt und zudem versprochen habe, bis zum darauffolgenden Montag einen entsprechenden Vorschlag zu unterbreiten. Danach hat Mendelson dann umgehend die Nummer von Zeichner Charles Schulz gewählt und ihm eröffnet, er habe soeben das Peanuts-Weihnachtsspecial ans Fernsehen verkauft. Welches Special? Na, das Special, das Schulz sich jetzt ausdenkt!
Gemeinsam mit Trickzeichner Bill Melendez ersann man damals in kürzester Zeit eine Geschichte, welche die aus den Tageszeitungs-Strips sattsam bekannten Figuren auf die Leinwand beförderte - und zumindest dem Sponsor Coca-Cola gefiel die Präsentation offenbar so gut, dass er umgehend grünes Licht für die Produktion gab. Für die standen seinerzeit gerade mal sechs Monate zur Verfügung - laut Melendez und Mendelson war das gerade mal genügend Zeit, um mit Müh' und Not einen Film fertig zu stellen. Dass das Ergebnis qualitativ hochwertig sein würde, habe man angesichts des engen Zeitplans nicht auch noch garantieren können. Tatsächlich waren die Reaktionen des Sponsors Coca-Cola sowie des TV-Senders CBS offenbar sehr verhalten - bemängelt wurde sowohl die Qualität der Synchronisation, für die man größtenteils auf Kinder ohne Sprechererfahrung gesetzt hatte, als auch die der Musik von Vince Guaraldi. Auch die Tatsache, dass hier Zeichentrickfiguren Passagen aus dem Evangelium zitierten, kam damals offensichtlich nicht bei jedem gut an.
Aber so kann man sich täuschen: Gerade die Tatsache, dass keine Stimm-Profis zum Einsatz kamen, trägt nicht unwesentlich zum Charme der Serie bei, und Vince Guaraldis Musik, allen voran das Thema "Linus & Lucy", ist ein Klassiker mit immens hohem Wiedererkennungswert. Und was sagt der CBS-Verantwortliche heute vor laufender Kamera? "Was weiß ich schon!?" Recht hat der Mann, denn dass das Peanuts-Weihnachtsspecial auf Anhieb ein Publikumserfolg werden und dem Sender eine Einschaltquote von 49% bescheren würde, hätte und hat der Mann offenkundig nicht geahnt.
Seit wann ich die Weihnacht Marke "Peanuts" kenne und liebe, weiß ich gar nicht genau, aber wann immer die Episode im Fernsehen zu sehen war, habe ich eingeschaltet - zumal das so selten der Fall war und ist, dass mir die Details der Episode zwischen zwei Ausstrahlungen ohnehin wieder entfallen und das Wiedersehen deshalb nie langweilig wird. Und Schulz, Mendelson und Melendez waren klug genug, sich 1965 ein Thema für ihr Weihnachts-Special ausgesucht, das so schnell nicht aus der Mode kommen dürfte - anders gesagt: Hier wird ein echter Dauerbrenner serviert.
Die Weihnacht naht, und das lässt natürlich auch Charlie Brown und seine Freunde nicht kalt.
Selbst die launische Lucy scheint in Festtagsstimmung - würde sie sonst dem sympathischen ewigen Verlierer Charlie Brown vorschlagen, in diesem Jahr beim Krippenspiel in der Schul-Aula Regie zu führen? Vorher muss Charlie allerdings erst noch seinem Schwesterchen Sally beim Aufsetzen eines Wunschzettels helfen. Angesichts einer Liste, die lang und länger wird, fragt Charlie sich ernsthaft, ob irgend jemand in seinem Umfeld um die wahre Bedeutung des Weihnachtsfestes wisse. Zunächst sieht es jedenfalls nicht danach aus, und auch Lucy scheint klare Vorstellungen davon zu haben, was zu einem gelungenen Weihnachtsfest gehört: Geschenke, Geschenke, Geschenke - und am besten keine "langweiligen Spielsachen" oder etwa ein Fahrrad, sondern - man höre und staune! - Grundbesitz. Es ist doch zum Auswachsen!
A propos Wachstum: Zu allem Überdruss ersteht Charlie dann für die Aufführung noch einen ziemlich mickrigen, krumm gewachsenen Weihnachtsbaum, mit dem in den Augen seiner Mitschüler kein Staat zu machen ist, und Peppermint Patty, die im Stück als Schaf auftreten soll, kann sich ihren Text ("Määäh!") ebenso wenig merken wie Sally, die selbst ihren Einzeiler "Horcht!" noch vermasselt. Nur gut, dass Charlies Kumpel Linus die Antwort auf die Frage nach der Bedeutung des Weihnachtsfestes kennt - und das sogar auswendig.
R e s ü m e e
Zeitlos, witzig, anrührend - und aus pädagogischer Sicht nicht nur unbedenklich, sondern sogar sehr empfehlenswert: Das Peanuts-Weihnachts-Special ist ein echter Klassiker, dem der Verleih Warner Bros. mit der vorliegenden DVD-Veröffentlichung die gebührende Ehre zuteil werden lässt. Bild und Ton präsentieren sich in Bestform, das Zusatzmaterial ist unterhaltsam und aufschlussreich, und wie alle anderen Peanuts-DVDs aus dem Hause Warner Bros, lässt auch diese Veröffentlichung dem Zuschauer die Wahl zwischen fünf verschiedenen Sprachfassungen nebst den dazugehörigen Untertiteln.