Es handelt sich bei vorliegendem Buch, um Vorlesungen, die Erich Fromm in den 50er und 60er Jahren gehalten hat und es beginnt mit Grundfragen unserer Existenz, die es in sich haben. Wie definiert man die seelische Gesundheit eines Menschen? Er meint, viele seiner Kollegen bezeichnen den geistigen Zustand als seelisch gesund, in dem sich die meisten Menschen einer Gesellschaft - also die Norm - befinden. Was jedoch heißt das, wenn die Gesellschaft selbst ungesund ist? Kann die Norm in diesem Fall wirklich als seelisch gesund bezeichnet werden? Erich Fromm postuliert - und das fand ich wirklich interessant - die Existenz objektiver seelischer Grundbedürfnisse und auch etwas objektiv Gutes und Schlechtes - unabhängig von der Kultur. In diesem Zusammenhang beschreibt er die kapitalistische Gesellschaft als zutiefst krank, äußert aber auch den Gedanken, dass es bisher nichts besseres gegeben hätte als diese. Es fällt schwer, die konzentrierte Gedankenflut eines so weisen Vordenkers in Kürze wieder zu geben. Für mich aber war es teilweise fasst unfassbar, dass er die Entwicklung der Gesellschaft bereits damals so genau vorhersagen konnte. Ich habe den Eindruck, dass er beschreibt, was ich jeden Tag sehe, obwohl diese Gedanken ein halbes Jahrhundert alt sind. Erich Fromm ein weiser Wissenschaftler.