Ich kenne alle Montalbano Krimis und halte diesen für einen der besten. Die Lösung dieses Krimis ist typisch sizilianisch, logischer und weniger gekünstelt als das Ende viele seiner vorangegangenen Fälle.
Wer den Kommissar schon kennt, trifft alle alle alten Bekannten wieder: den Underdog Catarella, der sich freut, wenn er von seinem Chef zusammengestaucht wird,den guten Freund Kollegen "Mimi" Augello, auf den immer Verlass ist, den zuverlässigen Kollegen Fazio, den arroganten Vorgesetzten Questore Bonetti-Alderighi, der natürlich nie ganz durchblickt, den skrupellosen Journalisten Pippo Ragonese (das Hühnerarschgesicht), die immer etwas leidende Freundin Livia, die es wohl nie schaffen wird, Montalbanos Frau zu werden und last not least die Haushälterin Adelina, mit der Montalbano nur über Zettel oder das Telefon Kontakt hat. Dies ist der Mikrokosmos, in dem alles Montalbano-Krimis spielen, aber dieses Mal hat ihn Camilleri mit besonders viel Liebe und Humor dargestellt. Überhaupt entfaltet der Autor wieder voll sein ganzes erzählerisches Talent und man ist oft mehr von den skurrilen Schilderungen des Lebens in Sizilien gefesselt als von der Handlung selbst.
Einem Interview mit dem Autor entnahm ich, dass er darüber nachdenkt, wie er die Karriere des Commissario Montalbano möglichst elegant enden lassen kann (Tod oder Pensionierung) . Ich hoffe sehr, dass es bis dahin noch viele weitere Fälle für ihn geben wird und Camilleri nicht die Freude an seinem "Kind" Montalbano verliert.
Dass Camilleri einer der besten italienischen Autoren der Gegenwart ist, merkt man an vielen Stellen des Romans. Die Übersetzung durch Chrisitane von Bechtolsheim ist kongenial und bringt diesen Krimi in ein flottes modernes Deutsch, ohne dass das sizilianische Lokalkolorit verloren geht.
Ich kann aber jedem empfehlen, auch einmal einen der historischen Romane Camilleris zu lesen. Zu Unrecht ist er hierzulande hauptsächlich als Krimi-Autor bekannt, während sein übriges Werk in den Buchhandlungen eher ein Schattendasein führt.