Aus der Amazon.de-Redaktion
Für Christen und Nicht-Christen gleichermaßen ist dies kein Film der unterhält, kein Film den man im konventionellen Sinne mögen oder nicht mögen kann (es ist zudem ausdrücklich kein Film für Kinder oder herzschwache Menschen). Vielmehr ist Die Passion Christi eine cineastische Erfahrung, die fast ausschließlich einem einzigen Zweck dient: die Geißelung und den Tod von Jesus Christus in solch erschreckend deutlichen Details zu zeigen (Gibsons eigene Hände schlagen die Nägel ins Kreuz), dass selbst Nichtgläubige einen Stich von Trauer und Schuld fühlen bei der Betrachtung der letzten Momente von Gottes Sohn. Entscheidenden Beitrag dazu leistet Jim Caviezel, dessen Vorstellung als Jesus weniger Schauspiel denn ein bereitwilliger Akt der Unterwerfung ist, so intensiv, dass manche Zuschauer nicht nur um Christus weinen werden, sondern auch für Caviezels unvergleichliche Ausdauerprüfung.
Wenn man einzig das bewertet, was man auf der Leinwand sieht (meisterhaft unterstützt von John Debneys Musik und Caleb Deschanels Kamera), findet sich Zündstoff für die Debatte um die angeblich antisemitische Neigung des Films, aber keine offensichtlich böswillige Absicht. Die Juden unter Führung des Hohepriesters Caiphas sind genauso schuldig wie die barbarischen Römer, welche die Exekution ausführen, vor allem nachdem Gibson die kontroverseste Dialogzeile entfernte (zumindest aus den Untertiteln, nicht aus der Tonspur). Wenn man akzeptiert, dass Gibsons Absichten aufrichtig sind, kann man auch Die Passion Christi akzeptieren als das, was sie ist: eine zermürbende, geradlinige (manche würden sagen einfallslose) und sehr gewalttätige Darstellung des Leidensweges, die viele Christen sprachlos und mit gestärktem Glauben zurücklassen wird. Nichtgläubige werden wahrscheinlich eine weitaus leidenschaftslosere Position vertreten, manche werden es gar mit Spott versuchen. Aber eine Sache steht außer Diskussion: Mit Die Passion Christi riskierte Gibson sein Vermögen für seine persönlichen Ansichten. Man kann ihn verehren oder verteufeln wie man will, aber seinen Mut, den muss man bewundern. --Jeff Shannon
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Blickpunkt: Film
Im Kino-Kanon der Glaubens- und Leidensgeschichte bezieht Gibsons 'Passion' eine konservative, traditionelle Position, in der Limitierung des Zeitrahmens und der Akzentuierung des Körperlichen aber auch eine sehr individuelle. Es geht ausschließlich um die letzten zwölf Stunden im Leben Christi und um die hyperrealistische Abbildung einer physischen Tortur, die die geistig-seelischen Qualen, die Selbstzweifel, das Überprüfen der Leidenserfahrung mit den aufgestellten Glaubensregeln, etwas in den Hintergrund drängt. Gibsons Film distanziert sich von den salbungsvollen Bibelpredigten und der Kitschsymbolik des alten Hollywood, nicht aber von Melodram und Pathos, will emotional hochtourig überwältigen. Seine 'Passion' ist in Ausstattung, Kostümen, Sprache (Aramäisch für die Juden, Vulgärlatein für die Römer) authentisch, ist in Cinecittá und, wie Pasolinis 'Das Erste Evangelium Matthäus', in der Umgebung der süditalienischen Stadt Matera gedreht, ist aber nicht asketisches Kunstkino, sondern leidenschaftliches Unterhaltungskino.
Gezeigt wird keine verschlüsselte, moderne Christus-Geschichte wie Denys Arcands 'Jesus von Montreal', keine Humanisierung des Heiligen (Martin Scorseses 'Die letzte Versuchung Christi'), keine historische Überprüfung, sondern eine texttreue, an vier Evangelien ausgerichtete Nacherzählung eines monumentalen Glaubensbekenntnisses. Der Film ist nicht anti-jüdischer, als es schon seine primären Quellen sind, die überall unterrichtet werden. Die religiösen Führer des Judentums richten Christus, aber das Übel ist erkennbar nicht eine Religion, eine Volksgruppe, sondern fanatische Glaubensreiniger, die machtpolitisches Eigen- als Gemeininteresse ausgeben und einen konturlosen Mob gegen einen Nonkonformisten manipulieren. Im Film wird angedeutet, dass es auch kritische Stimmen unter den Pharisäern gab, dass der Rat von Hohepriester Kaiphas mit Berechnung übereilt einberufen wurde. Die Schuld am Tode von Jesus verteilt sich auf viele Schultern. Jünger verraten ihn und verleugnen sich, römische Soldaten quälen mit sadistischer Freude, die Masse folgt opportunistisch. Der Teufel, hier als unheimlicher androgyner Formwandler gezeichnet, dem schon mal eine digitale Made in die Nase kriecht, ist keine Bedrohung von außen, sondern von innen, ist die Natur des Menschen selbst.
Natürlich verlangt diese Passionsgeschichte einiges dem Zuschauer ab und auch Hauptdarsteller Jim Caviezel, dessen Charisma, das sich Christus-ähnlich in 'Der schmale Grat' entfaltete, sich hier dem Leidensauftrag der Figur unterordnen muss. 'Die Passion Christi' hat untertitelte Dialoge in Originalsprache, erklärt weder Figuren noch ihre Vorgeschichte, beschränkt sich auf minimale Rückblenden und zeigt Geißelung und Kreuzigung in schonungslosen Bildern, bis sogar das Zerschlagen von Beinknochen am Kreuz als Gnadenakt toleriert werden muss. Wie schon stellenweise in 'Braveheart' ist Gibsons Inszenierung nicht immer subtil, verfehlt aber ihre Wirkung nicht. Man sieht das Leid und spürt es fast körperlich, nicht zuletzt dank der superben Make-up Effekte und der Emotionalität von Maia Morgenstern als Mutter Maria. Durch sie wird die überhöhte Vater-Sohn- auch eine persönliche Mutter-Sohn-Geschichte, die Glaubensgrenzen überschreitet. Und am Ende, wenn Christus ins Licht tritt, eröffnet sich die Gelegenheit, den Bildern eigene Worte im Diskurs folgen zu lassen. Das ist es, was man bei einem Film wie diesem unter Nachbearbeitung verstehen sollte. kob.
Blickpunkt: Film Kurzinfo
Kurzbeschreibung
Produktbeschreibungen
Jesus wird dem römischen Statthalter in Palästina, Pontius Pilatus, vorgeführt. Dieser hört sich die vorgebrachten Anschuldigungen an und erkennt schnell, dass es sich hier um einen politischen Konflikt handelt. Um einer Entscheidung aus dem Weg zu gehen, übergibt Pilatus die Angelegenheit an König Herodes. Auch dieser scheut ein Urteil und lässt Jesus zum Statthalter zurückbringen. Pontius Pilatus überlässt es nun der aufgebrachten Menge Jerusalems, offen zwischen dem Angeklagten Jesus von Nazareth und dem Verbrecher Barrabas zu entscheiden, welcher der beiden begnadigt werden soll. Das Volk entscheidet sich für Barrabas.
Jesus wird den römischen Soldaten übergeben und von ihnen gefoltert. Schwer verwundet wird er wieder zu Pilatus gebracht, der ihn erneut der Menge vorführt als wolle er sagen: "Ist dies nicht genug?" Und abermals entzieht er sich dieser Verantwortung: Er befiehlt schließlich seinen Männern, dem Verlangen der Massen nachzugeben, die weiterhin den Tod Jesu fordern. Der weitere Leidensweg ist besiegelt: Jesus muss selbst das Kreuz durch die Straßen von Jerusalem bis nach Golgatha tragen. Dort wird er schließlich an das Kreuz geschlagen. Im Angesicht des Todes stellt sich Jesus