Ich war im Jahre 1962 - den Anfangsjahren von Zubin Mehta als Dirigent - in Wien und in den Stadtbahhaltestellen (U-Bahn gabs noch keine) prangt überall ein großes, goldenes Plakat mit großen weissen Schriftzügen "Zubin Mehta - Wiener Philharmoniker". Sonst war nichts zu lesen. Das hat beeindruckt und ist mir heute noch ganz plastisch in Erinnerung. Seitdem wußte ich, wer Zubin Mehta ist. Am Anfang seiner Biographie lernt man viel über seine Abstammung und die Tatsache, daß er aus einer Familie stammt, die sehr mit Musik verbunden war. Sein Vater war Geiger und hatte das Bombay Philharmonic Orchestra gegründet. Zur Not dirigierte Zubin, wenn sein Vater ein Violinkonzert gab. Alle Gäste des Orchesters schneiten bei den Mehtas herein und so war es ganz natürlich, daß der junge Mehta sich nicht dem von der Familie vorgesehenen Beruf eines Mediziners zugeneigt fühlte, sondern Dirigent werden wollte. Sein Vater entschied, daß er den Beruf eines Dirigenten nur erlernen könne, wenn er nach Wien ginge - von Bombay aus gesehen, die Welthauptstadt der Musik. Bei Hans Swarowsky erlernte er die unerhörte Liebe zum Datail und auch die Wertschätzung von Schönberg und Webern und vor allem die Instrumentalmusik. Von Oper war lange nicht die Rede. Nach Abschluß der Studien brachte er sich und bald auch seine kleine Familie mit Gastdirigaten in der Provinz oder als Einspringer für bekannte Kollegen durch. Dadurch kam er mit Leuten in Verbindung, die seine Verläßlichkeit schätzten und Einfluß in der Musikszene hatten. So erhielt er recht bald einen Vertrag mit Montreal, parallel dazu einen Vertrag mit San Franzisco und schlußendlich einen mit dem Israel Philharmonic Orchetra. Diesen Orchestern blieb er Jahrzehntelang verbunden. Das IPO ernannte ihn dann auch zum Ehrendirigenten auf Lebenszeit. Längere Passagen handelt von der Wichtigkeit und Notwendigkeit das Publikum in Richtung der zweiten Wiener Klassik und der zeitgenössischen Musik hin zu erziehen sein Vorliebe für Mahler und Brahms und sein permanetes Bestreben, die von ihm betreuten Orchester in Richtung Wiener Klang zu erziehen, was bis zur Änderung der Mundstücke bei den Bläsern oder der Einführung des deutschen Bogens im Bassbereich ging. Wenig erfährt man zum Thema Oper und der Zusammenarbeit mit Regisseuren und berühmten Sängerinnen und Sängern, die sicher noch der ein oder anderen Anektote wert gewesen wären, was ich eher schmerzlich vermisste. Auch die Arbeit im Pattenstudio oder mit den diversen Firmen der Tonträgerindustrie fand im Gegensatz zu seiner Präsenz bei den diversen Einspielungen praktisch keine Erwähnung. Seiner Zeit als Generalmusikdirektor der Bayrischen Staatsoper ist zum Abschluss ein kurzes Kapitel gewidmet mit einer Auflistung seiner Premieren, der Regisseure bzw. Bühnenbildner. Wer gesungen hatte ist offenbar unwichtig. An der Stelle hätte ich mir eigentlich viel mehr erwartet. Aber es ist ja seine Biographie. Der Verlag hätte sicher noch darauf drängen können eine komplette Diskografie beizusteuern, oder die wichtigsten Premieren - die es ja sicher gegeben hat - anzufügen. Das hätte das Werk sicher noch schön abgerundet.